2024 08.23. Galway

Seit letztem Sonntag war das Wetter so schlecht, dass sich keine Ausflüge mehr planen liessen. Jeden Tag Regen, jeden Tag Wind, aber auch jeden Tag wenige Sonnenstunden. Wobei die Sonnenstunden eigentlich Sonnenminuten waren. Selten wurde ich so durchnässt wie vergangene Woche. Der Regen fiel nicht oft in grossen Tropfen, meistens kam nur feuchter Wasserdampf, verbunden mit böenartigen Windstössen daher. So wanderte ich jeden Tag dem Strand entlang von Salthill nach Galway und zurück. Den Iren scheint das kühle Wetter nichts auszumachen, in der Regel in kurzen Hosen und einem T-Shirt bekleidet joggen sie der Küste entlang. Doch die Meisten haben ja auch genug Körperfett, so dass ihnen das kühle Wetter nicht zu schaden scheint. Die Tiere der Arktis wie auch Antarktis sind genauso mit Körperfett geschützt.

In der Nacht vom 21. auf 22. August hatten wir starke Windböen, Am Morgen war der Strandweg wie auch die Autostrasse dem Meer entlang von Meeresalgen bedeckt, welche aus dem Wasser hochgerissen und meterweit ins Landesinnere geschleudert wurden. Interessanterweise sah ich nie so viele Badende im Meer wie jenen Morgen, vermutlich wurde durch den Wind auch wärmeres Wasser in die Bucht gedrückt. Oder aber es gab weniger Algen im Meer, welche ja nun auf dem Festland lagen. Durch den merklich höheren Wasserstand sah man nicht mehr so viele Strandvögel, nur die Möven und Krähen behaupteten sich.

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Gestern Abend gingen wir an eine irische Musikshow, „Trad on the Prom“. Unser Eintritt wurde durch Sugis Schule organisiert. Sugi wusste nur dass die Show bei einem Hallenbad mit Rutschbahn und ca. 10 Minuten westlich von der Schule entfernt sei. Da ich schon mehrmals dem Strand entlang gelaufen bin, wusste ich ungefähr wo der Anlass stattfinden soll. Nur die 10 Minuten waren etwas knapp berechnet, für Jogger mochte das hingehen. Deshalb starteten wir 1 Stunde vor Beging bei strömenden Regen und waren keine 10 Minuten vor der Saalöffnung im Gebäude. Zurück gedachten wir erst ein Taxi zu nehmen, doch wir waren nicht die Einzigen und viel zu langsam, um uns so ein Gefährt zu sichern. Da ich auch nicht im Regen stehen mochte, bis sich vieleicht ein Taxi sich unser erbarmt, liefen wir zu Fuss zurück ins Hotel. Kurz vor Mitternacht waren wir wieder auf unserem Zimmer. Zuvor war ich etwas erkältet, nun hatte es auch Sugi erwischt.

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Aber die Musikshow war gut. Unter den Musikanten waren Vater, Mutter und Tochter, wobei insbesondere die Tochter einen guten Namen zu haben scheint. Der Vater blies Flöten und einen speziellen Dudelsack, welcher nicht mit dem Mund aufgeblasen wird wie der schottische Dudelsack. Er pummte mit dem rechten Arm Luft in den Sack und spielte das Instrument nur im Sitzen. Die Mutter spielte zumeist Geige, sang auch und konnte Guittare. Die Tochter, welche während der Show in einen regelrechten Spielrausch kam, spielte verschiedene Schlaginstrumente, Geige sowie eine Art kleine Handorgel. Die kleine Handorgel, noch kleiner wie das Schiffersklavier, wurde auch von einem anderen Musikanten gespielt. Dazu kamen noch ein Mann mit verschiedenen Guittaren sowie eine Elektroorgel. Natürlich durften die Tänzer und Tänzerinnen mit ihren speziellen Schuhen nicht fehlen, der Tanzboden war auch entsprechend mit einer dünnen Metalplatte versehen, so dass es richtig knallte. Die Schuhe waren wie Balletschuhe, nur mit Metallverstärkung, so dass die Wirkung auch etsprechend war. Weiss nicht, bis zu welchem Alter die Tänzer ihre Aufführungen durchführen können, denke dass es mit Alter gegen 40 Lebensjahre zu Ende sein wird. Da haben es die bayrischen Schuhplattler noch etwas einfacher, dort ist nicht so viel Akrobatik gefragt. Sugi fiel noch die Aehlichkeit zum spanischen Flamego auf. In der Tat scheinen die Beziehungen zu Spanien früher recht intensiv gewesen zu sein, gibt es doch in Galway die spanischen Bögen (Spanish Arch) sowie das lateinische Quartier.

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Nun morgen verlassen wir Galway und fahren nach Dublin, wo wir nochmals zwei Nächte bleiben. Mal sehen, wie das Wetter dort ist.

2024 08.18. Bootsfahrt Cliffs of Moher – Inis Oirr

Am Mogen früh hatten wir uns schon in Galway einzufinden, wir fuhren deshalb mit einem Taxi dorthin. Wir hatten nochmals eine Bootstour zu den Cliffs of Moher mit Weiterreise zur kleinsten der Arran – Inseln gebucht. Es war eine kleine Reisegruppe, 22 Personen, mehrheitlich US – Amerikaner, aber auch ein zweites Schweizer Paar. Etwas chaotisch suchte uns der Reiseleiter unsere Gruppe unter all den anderen Reisegruppen zusammen, wir waren nicht speziell mit Badges oder anderen Kennzeichen ausgestattet. An der gleichen Strassenecke fuhren noch zwei andere, grössere Busse auf andere Ausflüge, keiner der Busse war mit dem Ausflugsziel angeschrieben. Flott ging es dann zum ersten Stopp in Kinvara, wo wir wieder die Galway – Hooker sahen, allerdings war nur ein Boot unterwegs.

Wie Tags zuvor fuhren wir nun in entgegengesetzter Richtung vorbei am Karstfeld Richtung Doolin. In Doolin ging es nun zum Hafen, wo wir ein Ausflugsboot bestiegen. Das Boot fuhr uns zu den Klippen von Moher, welche wir nun von unten bewundern konnten. Das Meer war etwas rauh, Sugi wurde es übel und genoss die Fahrt nur beschränkt, nachdem sie das Frühstück Neptun geopfert hatte. Leider war das Licht nicht optimal, zum Fotografieren wäre es am Nachmittag besser gewesen. Doch auch so waren die Klippen eindrucksvoll.

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Nach der gut einstündigen Fahrt im kleinen Boot wechselten wir im Hafen von Doolin auf ein grösseres Boot, welches uns nun zur Aran – Insel Inis Oirr brachte. Inis Oirr ist die kleinste der drei Aran – Inseln. Inis bedeutet Insel auf Gälisch, die Sprache Irlands. Diese alte Sprache wird wieder gefördert durch die Regierung. Unser Reiseleiter zählte uns immer auf Gälisch durch, so habe er es früher auch bei seinen Schafen gemacht.

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Zuerst gingen wir essen. Natürlich Fish und Chipps. Es gab zwei Pups auf dieser Insel. Anschliessend wanderten wir etwas auf der Insel herum, welche als einzige Insel einen kleinen Sandstrand besitzt. Ich wanderte auch schnell zum Burghügel auf der Insel, von wo man die ganze Insel überblicken konnte. Denke dass man die ganze Insel in einer Stunde umwandern kann. Doch wir mussten ja um 16h 20 im Hafen sein, dann fuhr das letzte Schiff.

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Die Passagiere füllten das Schiff zu gut 80%, anschliessend fuhren wir zur zweitgrössten Insel, wo noch zusätzliche Passagiere zustiegen. Diese hatten dann grösstenteils Stehplätze auf dem Schiff. Nach der Ueberfahrt zum Festland fuhren wir zurück nach Galway, wo wir vor 19h eintrafen. Noch hatten wir gutes Wetter, auf kommende Woche ist Regen und Wind angesagt, gemäss unseres Reiseführers werden alle Touren zu den Aran – Inseln abgesagt.

2024 08.17. Cliffs of Moher

Gestern war wieder ein Ruhetag. Auf heute hatten wir über die Schule einen Ausflug zu den Cliffs of Moher gebucht. Diese Klippen sind ja die Höchsten in Irland. Zu Fuss ging es am Morgen früh von Sandhill nach Galway, mit Sugi bedeutete das einen Fussmarsch von 45 Minuten auf der kürzest möglichen Strecke. Als wir beim Treffpunkt ankamen, waren schon einige Leute anwesend. Vorzeitig durften wir in den wiedeum voll besetzten Bus einsteigen und er fuhr auch 5 Minuten vor der Zeit weg. Diesmal kam eine junge Dame als Reiseleiterin mit und es wurde nicht so viel gesprochen wie in den vorgehenden Ausflügen.

Der erste Halt war bei der Ailwee – Höhle. Sie wurde vor kurzer Zeit entdeckt und für Touristen erschlossen. Der Landbesitzer suchte seinen Hund und fand so den Höhleneingang. Am Anfang der Höhle werden die Besucher mit einem Bären „erschreckt“, welcher durch einen Filmprojektor auf einen Stein geleuchtet wurde. Der Rest der Höhle war nicht speziell, wenige Tropfsteine und einige Wassereinbrüche, doch nichts zu Vergleichen mit zum Beispiel den Höllgrotten bei Baar. Schade für die Eintrittsgebühr.

Nach der Höhle fuhren wir weiter teilweise über die Karstlandschaft des Burren, aber auch über grüne, satte Weiden zu den Klippen von Moher. Es war Wochenende, dementsprechend viel Volk unterwegs. Die stehende Autoschlange vor dem Parkplatz war sicher einen Kilometer lang. Irgendwie gelang es unserem Buschaufeur die Kolone zu umfahren, er hatte deutlich Vortritt vor gewöhnlichen Autotouristen. Gewöhnliche Touristen standen sicher länger wie 30 Minuten in der Autoschlange, um auf den Parkplatz zu gelangen. Dementsprechend waren auch die Besucher bei den Cliffs of Moher. Die Kapellenbrücke in Luzern lässt grüssen. Doch die Klippen waren eindrucksvoll und schön, wenn auch man nur ein kurzes Stück von ihnen aus zeitlichen Gründen bewundert werden kann. Nach einer Stunde hiess es weiter fahren. Erst hatten wir Mühe, aus dem Parkplatz wegzukommen, da die stehende Autokolonne sich nicht bewegte. Erst als unsere Reiseleiterin ausstieg und gut 100 Meter zu einem Verkehrsordner ging, bewegte sich die Autoschlange so weit, dass wir durchschlüpfen und wegfahren konnten.

Nun ging es ins Fischerdörfchen Doolin, wo wir nur das Pup zum Essen sahen. Wir bekamen preiswert eine grosse Portion Fisch und Chips. Ausserhalb Doolins hielten wir an der Küste, wo ein grösseres Karstgebiet war. Für mich nichts aussergewöhnliches begeisterte diese Stelle doch einige unserer Reisegefährten. Immer wieder wurden wir auf Mittelerden aus dem Buch „Herr der Ringe“ des Iren Tolkien hingewiesen, welcher eine ähnliche Landschaft so im Buch beschrieben hatte. Dass Tolkien Ire war, wurde mir erst jetzt klar und erklärte einiges. Auch in der irischen Sagenwelt wimmelt es von Riesen und Zwergen , welche sich oft bei Bedarf in Landschaften wie Berge oder Seen verwandeln konnten. Für mich als Mitteleuropäer sind irische Sagen oft schwierig nachzuvollziehen und zu verstehen.

Nach dem Karstfeld am Meer fuhren wir weiter dem Wild Atlantic Way entlang bis zum Dunguaire Castle Nähe Kinvara. Dort fand auch ein Wettbewerb der Galway Hooker statt, alten Segelschiffen mit rotbraunen Segeln. Leider fand der Bus keinen geeigneten Parkplatz, so dass wir das Einlaufen der Segelschiffe nicht mehr beoachten konnten. Nach diesen kurzen Stopp ging es auf kürzesten Weg nach Galway zurück.

2024 08.15. Connemara

Gestern war ein „Ruhetag“, ich hatte keinen Ausflug geplant. So war ich am Morgen in Galway und organisierte das Program für Sonntag. Am Nachmittag wollte Sugi erst Meeresfrüchte essen gehen und anschliessend ein Kino besuchen. Doch als ich sie zum Mittagessen vor der Schule abholte, hatte sie keine Adresse des Seafood – Restaurants und auch das Kinoprogramm war gestrichen. Deshalb besuchten wir das wirklich sehenswerte Aquarium in Salthill. Habe schon einige Aquarien besucht, doch das in Salthill ist vermutlich das Eindruckvollste.

Für heute hatte ich schon in der Schweiz einen Ausflug nach Connemara und Cong gebucht. Die erste Tour vor zwei Tagen war ja zum Nationalpark Connemara, wo ich den Diamont Hill überschritt. Der heutige Ausflug ging zur Kylemore Abbey und zur berühmten Ortschaft Cong, wo ein bekannter Film (The quite man) mit John Wayne und Maureen O’Hara gedreht wurde. Am Morgen regnete es noch und ich marschierte mit Schirm zum Treffpunkt, welchen ich erst suchen musste. Der Bus wurde bis zum letzten Platz gefüllt. Das gleiche Prinzip wie beim ersten Reiseanbieter, der Fahrer war auch der Reiseleiter. Auch dieser Fahrer quaselte die ganze Zeit, doch er war nicht so bewandert wie der erste Fahrer. Leider war sein gälisch geprägtes Englisch auch nicht immer so verständlich. Nach einem kurzen Stopp an einem See fuhren wir zur Kylemore Abbey, wo wir alle den Eintritt erst noch bezahlen mussten.

Die Kylemore Abbey ist bekannt für das Kloster sowie die Gartenanlagen. Vom Kloster fährt ein Shuttlebus zur Gartenanlage, es wurde empfohlen erst den Garten zu besichtigen, bevor man sich das Kloster ansehe. In der Regel kommen die Busse um die Mittagszeit in Kylemore an, so dass die Leute sich gerne erst verpflegen. Dadurch wird die zweistündige Besichtigungszeit stark eingeschränkt. Ich fuhr deshalb erst mit dem Shuttlebus zu den Gärten. Was da zu sehen war, überzeugte mich nicht, etwas Gemüse und viele leere Gartenbeete. Das Wetter wurde immer sonniger und man konnte gut die Personen auf dem Diamond Hill erkennen. Die Abbey, welche ich anschliessend besuchte, war voller Touristen.

Wir fuhren weiter zum Killary Harbour, Irlands einzigen Fjord. Nicht ganz so eindrucksvoll wie die norwegischen Fjorde, aber immerhin. Im Wasser werden Austern gezüchtet. Weiter Richtung Cong auf schmalen Strassen. Was auffiel, der Fahrer kannte beinahe jedes Tier auf dieser Strecke persönlich. Er wusste welche Stute gerade ein Fohlen hatte und wo sich welcher Schafsbock versteckt hielt. Vermutlich fährt er täglich diese Tour.

Cong ist wirklich ein hübsches kleines Dorf, bestehend aus zwei Häuserreihen von ca. 200 Metern Länge. Auf dem Hügel am Ende des Dorfes stehen die Ruinen eines alten Klosters mit Kirche und einem recht grossen Friedhof. Vor der alten Kirche ein lebensgrosses Denkmal an die Filmschauspieler John Wayne und Maureen O’Hara. Zur Besichtigung der Klosterruinen stolpert man über die Grabsteine der Verstorbenen. Etwas ausserhalb in einem Park am Fluss befindet sich die Ueberreste des berühmte Fischerhäuschen der Mönche, welche dort aus dem Schatten die Fische angelten.

Nach Cong ging es direkt zurück nach Galway, wo uns der Fahrer wieder aussetzte. Von dort marschierte ich wieder in 40 Minuten zurück zum Hotel, wo ich rechtzeitig zum Abendessen eintraf.

2024 08.13. Diamond Hill

Heute hatte ich meinen ersten organisierten Ausflug in Irland gebucht. Das Ziel war der Connemara Nationalpark als Ganztagestour. Der Treffpunkt war um 10h vor dem Hyde Hotel in Galway. Gemäss Anmeldungsangaben war das Alter der Teilnehmer zwischen 18 und 64 Jahre beschränkt. Da war ich etwas skeptisch, ob ich mit meinen 76 Jahren noch problemlos angenommen werde, doch meine Befürchtungen waren grundlos. Der Bus füllte sich. Rasch wurde klar, dass gleich zwei unterschiedliche Gruppen gleichzeitig unterwegs waren. Die erste, grössere Gruppe fuhr zur Kylemore Abbey, welche sich auch in der Region Connemara befindet. Nur 14 Personen fuhren zum Nationalpark. Mit dabei war eine ältere Dame, welche neben mir im Bus sass. Sie stammte aus Galway und war noch nie im Nationalpark Connemara.

Nach einem ersten Zwischenstopp fuhr der Bus erst zur Abbey, wo die Personen ausstiegen, welche diese Tour gebucht hatten. Der Buschaufeur war gleichzeitig der Reiseführer und erklärte, dass er alle in 2 Stunden wieder abholen komme. Er verteilte die Eintrittskarten und frug gleichzeitig, ob sich jemand der Naturparkbesucher sich umbesonnen habe. Gleichzeitig gab er Hinweise und Ratschläge, wie der Besuch in dieser Zeit am Besten abzuwickeln sei. Den Rest der Gruppe fuhr er nach Letterfrak und händigte uns eine kleine Karte aus mit vier verschiedenen Touren, welche im Nationalpark möglich sind. Allerdings gab er auch uns nur 2 Stunden Zeit, sofern wir versuchen möchten den Diamond Hill zu besteigen, sollen wir spätestens nach einer Stunde umkehren. Es sei zu bedenken dass die Wege steinig und teilweise glitschig sind. Die Tour war mit 2 1/2 h angegeben.

So starteten wir denn alle Richtung Diamond Hill, wo in halber Höhe noch andere kürzere Wanderungen möglich waren. Erst sah ich noch einige der jungen Leute unserer Tour, doch ich lief ein besseres Tempo. Wie ich den Berg einschätze, dachte ich dass es möglich sei in einer Stunde den Gipfel zu erreichen. Auf dieser Route war eine rechte Völkerwanderung. Zum Glück war ich in meinen leichten Bergschuhen, so dass es im steinigen Gelände für mich kein Problem war vorwärts zu kommen. Auch klarte das Wetter etwas auf, zum Glück hatten wir keinen vollen Sonnenschein. Ab und zu dachte ich dass ein Fotostopp nun angebracht wäre, doch ich wollte möglichst wenig Zeit verlieren. Der Wanderweg war sehr gut ausgebaut und auch die „Kletterstufen“ waren recht einfach zu gehen. In der Schweiz entsprechend T1 – T2. Landschaftlich sehr schön.

Und wirklich, nach genau einer Stunde querte ich den Gipfelgrat, von wo ich nun doch einige Fotos machte. Ohne zu Essen und ohne zu Trinken stieg ich auf der einfacheren Abstiegsroute ab und erreichte Ledderfrak ca. 10 Minuten vor der abgesprochenen Abfahrtszeit. Ich traf wohl 2 Mitreisende aus Chile, doch wir waren nicht sicher ob wir am richtigen Ort warteten. Ca. 5 Minuten später sahen wir plötzlich den Buschaufeur, welcher uns winkte. Wir hatten am falschen Ort gewartet. Beim Durchzählen der Teilnehmer „Nationalpark“ wurde eine Person vermisst, doch niemand war sicher ob diese Person wirklich mit uns ausgestiegen war. Wie ich später feststellte, war es die ältere Dame aus Galway, welche nicht mehr mitfuhr. Wie auch immer, der Bus fuhr weg.

Die Rückfahrt erfolgte auf einer anderen Strecke und wir hatten nochmals zwei Stopps. Beim Ersten hielten wir bei einem kleinen See mit einem Bauernhof, wo man die Ziegen füttern konnte. Für eine Büchse mit Trockenfutter bezahlte man einen Euro. Die Ziegen waren nicht mager. Beim See sah man auch eine Stelle, wo Torf gestochen wurde. In Irland wird ja noch viel mit Torf geheizt. Der Abbau des Torf geschieht nicht regelmässig, so dass eine ungleichmässige Landschaft entsteht. Nicht mehr landmaschinentauglich, für mich erstaunlich in einem Land, welches hauptsächlich von der Landwirtschaft lebt.

Abends gegen 17h waren wir zurück in Galway. Zu Erwähnen ist noch dass uns der Busfahrer während der ganzen Reise die Geschichte Irlands von der Steinzeit bis heute in groben Zügen erklärte. Welche Stämme wann kamen, welcher König was tat. Die Engländer kamen nicht so gut weg. So erklärte er auch dass zum Bau des Schiffes „Titanic“ ca. 900 Iren beschäftigt waren, jedoch nur ein Engländer es fertig brachte, zu versenken.

2024 08.12. Galway

Gestern morgen gegann unsere Reise nach Irland, wo Sugi ja eine Sprachschule besuchen will. In der Schweiz war es ein sonniger, warmer Tag. Das Flugzeug war bis zum letzten Platz ausgebucht, ja das Bodenpersonal suchte gar einen Freiwilligen, welcher sich zum Abendflug umbuchen lasse. Man würde Dublin um 19h 30 anstelle 12h 30 erreichen. Dafür boten sie 250 Euro in bar. Bis Dato hatte ich solche Angebote nur in den USA erlebt. Da Irland nicht zum Schengenraum gehört, musste man vor dem Abflug nochmals zur Passkontrolle und auch den Flugschein abstempeln lassen. In der grösseren Personenzahl hatten nicht alle Passagiere das mitbekommen und mussten kurz vor dem Einsteigen den Prozess noch nachholen, was unseren Abflug etwas verzögerte.

Der Flug verlief ruhig, erst über England gab es Wolken. In Dublin landete wir pünktlich und mussten über das Rollfeld zum Terminal gehen. Der Flughafen Dublin ist etwas in die Jahre gekommen, nichts vom Pomp wie man ihn üblicherweise auf Flughäfen antrifft. Alles etwas schmudelig und düster. Pünklich kam auch unser Gepäck, so dass wir einen früheren Bus erreicht hätten, welcher nach Galway, unserem Ferienziel fuhr. Doch es gab schon eine Warteschlange von Passagieren, welche nicht fest gebucht hatten und so ihr Glück versuchten, nach Galway zu kommen. Also gingen wir zum Warteraum beim Flughafen zurück und warteten auf unseren Bus. Dabei traffen wir noch zwei Frauen aus der Schweiz, welche die gleiche Schule wiebSugi zu besuchen wünschten.

Im Bus war freie Sitzwahl und er fuhr weg, obschon nicht zum letzten Platz gefüllt und andere Passagiere noch warteten. Er war mit Galway direkt angeschrieben, doch erst fuhr er nach Dublin hinein, wo noch einige Passagiere zustiegen. Hier das selbe, noch immer warteten Personen auf einen freien Platz im Bus. Nach der Stadtrundfahrt in Dublin ging es auf die Autobahn und nun Nonstopp in die Vororte Galways, wo erst einige Passagiere ausstiegen. Im Bushof wurden wir von einem Taxifahrer erwartet. Eine Person hatte es nicht geschafft, der Fahrer musste mit vier an Stelle der fünf erwarteten Personen wegfahren. Er führte uns zum Hotel The Ardilaun, wo wir eincheckten und unser Zimmer bezogen.

Das Hotel hat zwei Flügel, welche nicht miteinander verbunden sind. So muss man genau aufpassen, welche Korridorabzweigung nun zu dem Lift führt, mit welchem man in den Teil des zweiten Stock kommt, wo sich unser Zimmer befindet. Mit Lift No. 1 kommt man wohl in den zweiten Stock, jedoch nicht zu unserem Zimmer. Treppe geht schon gar nicht, unsere Treppe führt ins Grüne bei einem Hinterhof. Selten hatte ich solche Probleme, unser Zimmer wieder zu finden. Da waren die Riesenhotels in Las Vegas noch einfacher.

Nach dem Abendessen suchten wir erst den kürzesten Schulweg für Sugi. Auch hier ging die Sucherei los. Freundliche Iren versuchten uns zu helfen, doch wir stellten fest, dass auch sie nicht alle in ihrer Stadtorientirung so sattelfest sind. So wollte eine junge Dame uns einen weiten Weg empfehlen, was von einem älteren Herren mit Hund korrigiert wurde. Er kannte einen wesentlich kürzeren Weg durch schmalere Strassen, welche immer noch Autotauglich waren. So fanden wir die Schule, welche für Sugi ca. 30 Minuten vom Hotel entfernt befindet.

In der Nacht regnete es. Am Morgen war es noch bewölkt und recht windig. Heute morgen begleitete ich Sugi noch bis zur Schule und wanderte allein Richtung Galway dem Strand entlang. Um 8h 30 waren nur die Hundebesitzer am Strand unterwegs, ich staunte wie wenig sich die Vögel von den Hunden fürchteten. Sehr viele Wasservögel waren zu sehen, sie suchten den Strand nach Futter ab. An gewissen Strandabschnitten standen kleine Zelte von randständigen Personen, welche keine feste Unterkunft besitzen. Allgemein sah ich heute einige weniger wohlhabende Personen, wie wir sie in der Schweiz kaum mehr sehen. Ja, Irland scheint noch nicht den mitteleuropäischen Wohlstand erreicht zu haben.

Beim spanischen Bogen, dem alten Hafen Galways betrat ich die Stadt. Erst wanderte ich einem Flüsschen entlang bis zu einem See. Erstaundlich viele Hinweise über Auswanderer, welche ihre Not in Amerika zu vergessen suchten. Auch die Familie Kennedy stammt aus der Gegend. Am Flüsschen befinden sich noch alte Fischerstege, von wo man Lachs fischte.

Anschliessend besuchte ich das Zentrum Galways, voll von Touristen. Auch das Herrschaftshaus der Familie Lynch fand ich. Dort wohnte einst ein Richter Lynch, der seinem eigenen Sohn die Henkersschlinge um den Hals legte. Der Sohn war eines Mordes angeklagt, es fand sich jedoch kein Henker, welcher ihn ordnungsgemäss hängen wollte. So tat es dann sein Vater. Dies sei der Ursprung der Lynchjustitz.

Am frühen Nachmittag wanderte ich dem Strand entlang nach Salthill zurück. Mehr Fussgänger, viel weniger Vögel.

2024 07.26. Walenpfad

Dieser Sommer hat wirklich schlecht begonnen, in Folge vielen Regens waren keine grössere Touren möglich. Zusätzlich hatte ich das Pech, dass mein Zoomobjektiv bei einer kleinen Blumenwanderung zwischen Leuk und der Lötschberg Südrampe zu Bruch ging. Erst wollte ich mein Objektiv retten und fand auch eine Firma in Nidau bei Biel, welche sich auf solchen Service spezialisiert hat. Damit die Reparatur schneller vorangehen würde, reiste ich nach Nidau, doch der Experte sah sofort, dass das Objektiv mehr wie 10 Jahre alt ist. Da gibt es kein Ersatzmaterial mehr, ich könne das Objektiv zu Hause in die Vitrine stellen. In der Tat hat meine Fotoausrüstung mehr wie 15 Jahre auf dem Buckel, so dass ich nicht mal neues Equipment dazu kaufen kann. So bin ich momentan auf alte Objektive angewiesen, welche ich auch über 10 Jahre nicht in Gebrauch hatte.

Auch vom Walenpfad von Engelberg zur Bannalp hatte ich schon vor über 10 Jahren gehört, kam jedoch nie dazu diese Strecke abzuwandern. Nun war schönes Wetter angesagt und ich hatte keine dringenden Termine, so dass wir beschlossen, nun doch einmal diesen Weg zu gehen. Es ist Ferienzeit, dem entsprechend war die Eisenbahn auch gut belegt. Doch auch die Wanderung ist leider nicht unbekannt, so dass wir nicht allein auf der Strecke waren. Wir fuhren erst von Engelberg nach Brunni hoch, wobei zu unserem Erstaunen die Seilbahn bis Ristis im Generalabonnement eingeschlossen war. Erst der Sessellift nach Brunni war kostenpflichtig.

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Auf den Alpwiesen blühte schon der gelbe wie auch der Purpurenzian. Man fand viele Blumen, solange das Vieh noch nicht auf der Weide war. Vom Purpurenzian wurde von den Kühen mit Vorliebe die Blüten abgefressen, aus welchen Gründen auch immer. Ein gleiches Verhalten zeigen ja auch die Rehböcke bei den Türkenbundlilien, doch in diesem Fall soll es um ein potenzsteigerndes Mittel für die Rehböcke sein. Was der Purpurenzian bei den Kühen bewirkt, entzieht sich meines Wissens. Wunderschön blühten auch die Alpenrosen.

Gelber Enzian

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Einfach zu Gehen, landschaftlich sehr abwechslungs- und aussichtsreich ist der Weg von Brunni bis zur Walegg. Beim Tiefblick von der Walenalp wurde uns bewusst, dass wir in der Urschweiz sind, am Berghang auf der anderen Talseite prangte das Schweizer Wappen, voll in Grün.

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Von der Walegg zur Bannalp nimmt der Tiefblick rasant zu. Obschon der Weg mit Drahtseilen sehr gut gesichert und nicht schwierig zu gehen ist, fühlt sich doch dort nicht jedermann wohl. So hörte ich einen etwa 12 jährigen Jungen seiner Mutter erklären, dass er etwas Angst habe und nicht in die Tiefe schaue. In der Tat sieht man gute tausend Meter tief ins Tal. Ausgleiten nicht ratsam. Aber der Weg ist wirklich schön. Doch ich verstand nun, wieso so viele Personen von der Bannalp Richtung Engelberg wanderten, obwohl man so mehr Höhenmeter zu steigen hat. Man fühlt sich sicherer, wenn man bergwärts geht.

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Oberhalb des Bannalpsees entschieden wir uns, die untere Seilbahn beim Staudamm ins Tal zu nehmen. Selbst war ich noch nie mit dieser Seilbahn gefahren, immer fuhr ich mit der Seilbahn zur Stockhütte. Leider brachte das uns keinen Vorteil, auch hier mussten wir über eine Stunde warten, bis das Postauto uns wieder nach Wolfenschiessen ins Tal brachte. In Folge der langen Wartezeit wurde das Postauto gleich in der obersten Station bis zum letzten Sitzplatz gefüllt, so dass einige Personen stehend ins Tal fuhren.

2024 05.29. Mont d’Orge

Das war ein verregneter Monat Mai 2024. Keine grosse Aktivitäten möglich. So verschoben wir den Besuch des „Zauberhügels“ Mont d’Orge immer wieder bis Ende Mai, zu spät für einige Orchis, im Prinzip zu früh für die Blüten der Feigenkakteen. Bin schon mehrmals auf dem Mont d’Orge bei Sion gewesen und er fasziniert mich auch jedes mal wieder. Dort blühen die verschiedensten Blumen auf engstem Raum, unter anderen auch das seltene Schweizer Meerträubchen. Der Hügel weist zwei Klimazonen auf. Richtung Südosten ist die Gegend trocken, dort wachsen auch die Feigenkakteen. Richtung Nordwesten ist die Gegend feuchter und bewaldet.

So fuhren wir mit dem Postauto hoch und wanderten dem kleinen See entlang. Schon früh fanden wir einen violetter Dingel in voller Blüte, für Wanderkollege Ruedi war der Tag schon gerettet. Seit geraumer Zeit suchte er diese Blume zu fotografieren, doch nie fand er ein frisch blühendes Exemplar.

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Nicht weit davon war es recht laut, einige Frösche gaben ein Konzert.

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Am Ende des kleinen Sees stiegen wir Richtung Gipfel hoch zu den Wiesen, wo ich jedes Mal verschiedene Orchideen fand. Früher im Jahr blüht dort das Kleine Knabenkraut sowie das Männliche Knabenkraut in Mengen, nun waren nur noch das Schwärzliche Knabenkraut und die Helmorchis zu sehen, dazu aber auch Mengen der Spitzorchis, welche ich dort noch nie gesehen hatte.

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Wir waren mehr als zufrieden, gab es auch verschiedenste andere Blumen. Langsam stiegen wir zum höchsten Punkt, wo eine Burgruine steht. Und siehe da, auf der trockenen Seite des Hügels blühten schon die ersten Feigenkakteen.

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Beim Abstieg fanden wir auch verschiedenste Würger.

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Wir umrundeten den Hügel auf der oberen ehemaligen Bisse am Mont d’Orge, wo das Wasser früher zur Bewässerung der Rebberge benutzt wurde. Der Himmel war den ganzen Tag über bewölkt, war ja nachmittags gemäss Prognosen Regen angesagt. Dennoch konnten wir unsere Tour ohne nass zu werden durchführen, der Regen kam erst bei unserer Rückreise nach Hause.

04.05.2024 Gorges du Durnand

Der Fotoclub „Naturfotografen Schweiz“ organisierte einen Ausflug zur Gorges du Durand im Unterwallis. Da ich wenig mit dieser Gegend vertraut war, meldete ich meine Teilnahme an. Wohl hatte ich in meiner Jugendzeit ein Jahr in Martigny als Volontär im College St. Marie zum Erlernen der französischen Sprache verbracht, doch von den Schluchten in dieser Gegend war mir nur die Gorges du Trient bei Vernayaz bekannt. Normalerweise sind solche Ausflüge der Naturfotografen Schweiz schnell ausgebucht, wird die Teilnehmerzahl bei 15 Personen begrenzt. Doch dieses Mal waren wir nur gerade 5 Teilnehmer, was wohl der langen Anreise geschuldet war. So trafen wir uns um 9h 15 beim Bahnhof Martigny, wo die Anreisenden mit dem öffentlichen Verkehr auf die Autos der motorisierten Teilnehmer verteilt wurden. Wir wurden zum Parkplatz am Eingang der Schlucht bei Bovernier gefahren, wo uns der Tourenleiter empfing.

Nun ging es zu Fuss hoch durch die Schlucht. Anfangs war es noch ein feuchter Waldweg, doch schnell wechselte man auf Kunstbauten aus Holz und Metall, mit welchen man die Schlucht begehbar gemacht hatte.

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Der Steig war recht eindrücklich und streckenweise auch sportlich, waren doch auch steilere Abschnitte zu gehen. An einigen Stellen blühte schon der Keilblättrige Steinbrech.

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Im Gegensatz zu unserem Tourenorganisator waren wir nun recht froh, nicht mehr Teilnehmer zu sein, war der Steg doch eng und wir nicht die Einzigen, welche dieses Naturwunder besuchten. Im oberen Teil des Steges wurde ein Teil ersetzt, das alte Material lag noch in der Schlucht und wartete auf das nächste Hochwasser (Schneeschmelze). Es hätte wohl per Helikopter ausgeflogen werden müssen, was offensichtlich zu teuer war. Schade.

Nach der Besichtigung der Schlucht fuhren wir noch hoch nach Champex – Lac oberhalb Orsière, wo wir uns verpflegten. Leider war es etwas bewölkt und man konnte nicht alle Berge sehen. Früher hatte ich von dieser Gegend geträumt, vom Le Portalet oder dem langen Grat zur Pointe des Ecandies mit dem Engelsprung. Nun bin ich schon mit einer Wanderung durch die Schlucht du Durnand zufrieden.

2024 04.11. Adonisweg

Längere Zeit war keine Wanderung möglich, doch nun wollten wir wieder einmal etwas unternehmen. Wir beschlossen zu den Perlhuhn – Schachblumen am Doubs zu fahren, doch vergangene Nacht war es teilweise frostig in der Schweiz. Beim letzten Besuch am Doubs waren die gesuchten Blumen alle mit Frostschäden, kein besonderes Fotoerlebnis. So machte Peter den Vorschlag, an Stelle in den Jura doch ins Wallis zu fahren, wo sicher frostresistentere Frühblüher zu finden sind. Da unser Zug von Zürich nach Bern sowieso weiter nach Lausanne fuhr, beschlossen wir in Bern sitzen zu bleiben und über Lausanne nach Martigny zu fahren. Dort hatten wir verschiedene Möglichkeiten für eine kurze Blumenwanderung. Da wir beide das GA der SBB besitzen, war diese Planänderung absolut kein Problem. Mitte bis Ende April blühen im Wallis die seltenen Frühlings – Adonisröschen und wir beschlossen, wieder einmal den Adonisweg von Charrat nach Saxon zu gehen. Auch hoffte ich an diesem Weg die frühblühenden Holunderorchis zu finden.

Frühlingsadonisröschen

Zur Entstehung dieser Blumen gibt es eine schöne griechische Sage. Adonis war einst ein aussergewöhnlich schöner junger Mann, er war so schön, dass alle weiblichen Götter sich nur noch mit ihm abgeben wollten. Seine beste Freundin war die ebenfalls schöne Aphrodite. Natürlich gefiel das den männlichen Göttern absolut nicht, sie wurden eifersüchtig. Als nun Aphrodite einst mit Adonis jagen ging, verwandelte sich der Gott Ares in ein männliches Wildschwein und verletzte den Adonis tödlich. Aphrodite fand den sterbenden Adonis und weinte sehr. Aus den Blutstropfen des Adonis sollen die Adonisröschen entstanden sein. Als ich nun im Jahr 2011 die ersten Adonisröschen sah, wunderte ich mich ob der gelben Farbe. Die alten Griechen wussten ja sicher schon, dass Blut rot ist. Erst später wurde mir erklärt, dass die gelben Frühlingsadonisröschen aus den Tränen der Aphrodite entstanden. Es gibt auch rote Adonisröschen, welche später im Jahr blühen. Interessanterweise fand ich die ersten roten Adonisröschen auch im Wallis, auf den Tulpenfeldern von Grengiols.

Holunderorchis gelb (oben) und rot (unten)

Auf dem Hügel bei Charrat war noch nicht alles voll in Blüte, doch fanden wir auch den österreichischen Schwarzwurz und einige Berganemonen. Auch waren wir nicht die einzigen Besucher, mehrere ältere Personen hatten das gleiche Programm. Fleissig wurde mit den Handys fotografiert, wir waren die Einzigen mit Kameras. Alle folgten dem nicht immer einfachen, abwechslungsreichen Adonisweg. Es war ein Kommen und Gehen in beiden Richtungen, vorwiegend ältere Personen waren unterwegs. Teilstücke des Weges sind fahrzeugtauglich, doch gibt es auch schmale Verbindungsstücke, welche streckenweise mit Ketten (T3) gesichert sind. In den waldigen Partien an steilen Böschungen fanden wir viele Holunderorchis, vorwiegend gelb blühend, doch es hatte auch einige rotblühende Pflanzen. Natürlich waren die schönsten Orchis im steilsten Gelände, wo schon ein Kreuzen der Fussgänger nicht einfach war, doch immer fand man eine Lösung, auch wenn man einige Schritte hin und zurück zu einem breiteren Wegstück machen musste.

Für uns war es ein wunderschöner Tag, hochzufrieden kamen wir in Saxon an. Nicht einmal das Wegfahren des Zuges Richtung Visp vor unserer Nase mochte die Stimmung trüben, wir fuhren 10 Minuten später zurück nach Martigny. Dort bestiegen wir einen Regioexpress nach Brig, von wo wir den Zug Richtung Romanshorn besteigen konnten. Im Zug waren einige Skitourenfahrer und wir überlegten noch kurz, ob wir nochmals eine Schneeschuhtour machen sollten. Doch nach unserer Blumentour kam keine rechte Lust dazu auf.