2025 04.09. Antwerpen

Heute führte unser Ausflug von Gent nach Antwerpen. Antwerpen ist ja bekannt für seinen grossen Hafen und ihren grossen Künstler, der Maler Rubens. Auch Antwerpen wurde durch seinen Handel berühmt und reich. Wenn ich mich recht erinnere, wurde darüber bereits in der Novele von Joseph Conrads „Das Herz der Finsterniss“ geschrieben, damals ein Abenteuer auf dem finsteren Kongo in Afrika. Diese Novele wurde ja verfilmt als „Accocalypse now“ von Coppola, einem berühmten Resigeur als Erlebniss in Vietnam. Beide, die Novele und der Film erreichten zu ihrer Zeit Weltruhm, wenn auch sie nicht deckungsgleich sind. Doch beide Versionen der Geschichte haben mich beeindruckt, jede auf ihre Art.

Die Häuser wurden im gleichen Stil errichtet wie in Gent oder Brügge, doch es gibt mehrer Neubauten dazwischen. Das Stadtbild ist nicht mehr immer so einheitlich wie in den kleineren Städten. Vermutlich Folgen des zweiten Weltkrieges, als Antwerpen auch als U – Boothafen für die Deutschen diente. Wir sahen noch einen Platz, an welchem eine V2 – Rakete eingeschlagen habe und seither nicht überbaut wurde. Wir wurden durch eine Stadtführerin herumgeführt und es war interessant zu hören, dass die Rivalität zwischen den Niederländern und den Belgiern in etwa der Rivalität zwischen Basel und Zürich entsprachen. Interessant war auch wie das Bürgerrecht erworben werden kann, es wird nicht automatisch durch Geburt erworben.

In mindestens zwei Kirchen wird eine Entrittsgebühr verlangt, da Altarbilder vom Künstler Rubens zu sehen sind. Wie das bei Gottesdiensten gehandelt wird, entzieht sich meinen Kenntnissen. Denke das Tourismusbüro der Stadt Antwerpen lebt dank Rubens nicht schlecht, es gab auch viele Touristen. Leider war das Haus Rubens nicht zu Besichtigen, es wird renoviert und ist für mehrere Jahre geschlossen.

Kurz nach vier Uhr sammelte der Busfahrer und Reiseleiter in Personalunion uns Gäste wieder ein und zirkelte mit seinem grossen Fahrzeug durch die Stadt Richtung Gent.

2025 04.08. Brügge

Heute morgen fuhren wir von Gent nach Brügge, wo wir erst einen Stadtrundgang unternahmen. Unser Bus hielt abseits der Stadt in einem Park, wo uns der Stadtführer erwartete. Wie Gent wurde auch Brügge durch Handel reich, genauso hat es Wasserkanäle, welche durch die Stadt fliessen. Auch in Brügge gibt es zahlreiche Touristen. Hier soll sich auch das Grab Karl des Kühnen befinden, welcher sich ja im Mittelalter in drei Schlachten mit den alten Eidgenossen herumprügelte. Mühsam brachten wir neuzeitlichen Eidgenossen noch den Spruch zusammen, welchen einige von uns in der Schule lernten: „Karl der Kühne verlohr bei Murten das Gut, bei Grandson den Mut und bei Nancy das Blut“. Ja, die Kriegsbeute der Berner bei Murten brachte ihnen einigen Wohlstand, doch Brügge kann sich trotz dieses Aderlasses immer noch sehen lassen. Vom Aufbau her gleicht Brügge ja Gent, nur noch etwas protziger.

Der zweithöchste Backsteinturm steht in Brügge. Nur die Spitze wurde aus Sandstein oben augesetzt, zu zeigen dass man auch den teureren Sandstein vermag. Der höchste Backsteinturm steht ja in Deutschland, solange die Araber das nicht spitzkriegen. In Dubai wie auch Saudiarabien kopieren sie ja berühmte Gebäude immer in einem etwas grösseren Masstab wie das Original. So steht ja zum Beispiel das Bellagio aus Las Vegas inklusive Wasserspiel etwas vergrössert auch in Dubai.

Brügge ist ja auch eine Schwanenstadt. Es soll immer eine bestimmte Anzahl dieser Vögel in Brügge geben, ansonsten es der Stadt schlecht gehen werde. Als vor wenigen Jahren die Vogelgrippe die Anzahl der Schwäne stark reduzierte, wurden schnell einige Vögel von ausserhalb eingekauft. Bei den Schwänen musste ich an den Schwanenritter Lohnegrin denken. Teile der Handlungen der Niebelungensage wie auch die Geschichten von Parzival und Lohnegrin sollen ja in dieser Gegend stattgefunden haben. Wir besichtigten auch eine Kapelle, in welcher eine Blutreliquie Jesus aufgewahrt worden sei. Der heilige Gral (Parzival) lässt grüssen. Doch die Reliquie liess sich nicht nachweisen. Sicher ist nur dass die Ritter aus der Gegend von Brügge nicht arm waren, sie konnten bei den Kreuzzügen Reliquien kaufen.

Nach der Stadtführung wurde noch eine Bootstour durch die Kanäle der Stadt durchgeführt. Es gibt nur eine bestimmte Anzahl Schiffe, welche die Erlaubniss haben in diesen Kanälen fahren zu dürfen. Auch haben nur 4 bestimmte Familien das Recht, den Schiffsbetrieb zu betreiben. Ein wahrer Goldesel für diese Familien.

2025 04.07. Gent

Gestern sind wir mit Twerenbold Busreisen nach Gent in Belgien gekommen und heute haben wir die Stadt besucht. Unser Quartier befindet sich in einem alten Kloster mitten in Gent und unser Busfahrer hatte alle Mühe durch die vielen Einbahnstrassen zum Hotel zu finden. Heute morgen wurde die Reisegruppe durch zwei geteilt und an die lokalen Touristenführer übergeben. Unser Führer war ein älterer Mann, man konnte an seinem Keuchen über das Mikrophon hören, wann er sich wieder in Bewegung setzte. Aber er wusste einiges über die mittelalterliche Zeit zu erzählen, die Zölle und Abgaben, welche diese Handelsstadt reich gemacht hatte. Auch die Textilindustrie war hier ansässig und brachte einigen Verdienst. Natürlich wurden wir auch zur Verköstigung der belgischen Schokolade eingeladen, doch mir selbst schmeckt die Schweizer Schokolade doch noch etwas besser, feiner.

Zu Mittag traffen sich beide Gruppen vor dem Dom, um ein berühmtes mehrflügliges Altargemälde zu besichtigen. Mehrere Jahre wurde an diesen Bildern gemalt, ein Sohn löste den Vater ab. Im Verlaufe der Zeit wurden die Seitenflügel verkauft, zurückgekauft, entführt, entzwei gesägt, eine wahre Kriminalgeschichte. Diese Story kann man nun mit einer speziellen Brille in einer Show in der Kripta nachverfolgen, es werden nur Kleingruppen in bestimmten Zeitabständen zugelassen.

Gent ist wirklich eine schöne Stadt mit vielen Gebäuden aus dem Mittelalter bis zum 19. Jahrhundet. Zwei Flüsse fliessen durch die Altstadt, es gibt auch einige Kanäle. So kann man bequem das Stadtzentrum per Schiff besichtigen, was wir am Nachmittag auch unternahmen. An Touristen mangelt es auch nicht, so dass mehrere Fährunternehmen um die Passagiere buhlen. Wir hatten das Glück dass wir zu einem Zeitpunkt die Schifffahrt unternahmen, als noch die Mehrheit der Touristen am Mittagessen waren. Als wir unsere 40 – minütige Fahrt beendeten, wimmelte es auf dem Wasser von gutbesetzten Booten, welche alle in etwa die gleiche Strecke fuhren. Erstaunlich viel Jungvolk war unter den Touristen, ganze Schulklassen mit entsprechendem Gekreisch waren unterwegs.

Das Abendessen war nicht in unserem Arragement inbegriffen. So suchten wir nach einer netten Imbissstube. Doch das erwies sich als nicht so einfach. Viele Lokale waren nur stundenweise geöffnet. Da es ein sonniger Nachmittag war, sassen viele Personen bei einem Getränk im Freien. In der Not fanden wir ein Burgerrestaurant direkt am Wasser, welches in Betrieb war. Sugi mag keine Burger, doch es gab ja auch Cäsar – Salat. Die Preise waren US – gemäss, so dachte ich es werde auch einen Cäsarsalat im US – Stil geliefert. Doch die Salatportion war etwas gar klein, auch fehlten die Pouletfleischstreiffen. So haben wir wieder was dazu gelernt.

2025 03.20. Les Follateres

Kurzfristig war gutes Wetter angesagt, aber schon bald soll es wieder regnerisch und kühler werden. Also beschlossen wir eine kleine Wanderung zu unternehmen. Beim letzten Ausflug mit den Naturfotografen Schweiz wurde eine Wanderung zu den Lichtblumen bei Les Follateres gerühmt, so beschlossen wir einmal diesen Weg zu besuchen. Wohl war uns bewusst, dass die Lichtblumen vermutlich auf dem sonnigen Hang im Unterwallis schon verblüht sein könnten, aber ich hatte in früheren Jahren zu dieser Jahreszeit im Abstieg von Alesse nach Branson schon welche gesehen. Zudem sind Les Follateres immer für eine Überraschung gut.

Der Zug von Zürich nach Visp war ausserordentlich gut belegt, viele Skifahrer wollten die frühlingshaften Schneeverhältnisse bei sonnigen Wetter nochmals ausnutzen. Auch einige Wanderer befanden sich im Zug. Der Zug von Visp nach Martigny war wohltuend weniger stark besetzt. Bei Kaiserwetter stiegen wir bei der Rhonebrücke vor Branson aus dem Bus und wanderten durch das Dorf hoch Richtung Rebberge. Wohl fanden wir immer wieder Wegsignalisationen zum Chemin des Bulbocodes, wie die Lichtblumen auf Französisch genannt werden. Doch nicht ein Stück dieser uns wohlbekannten Blume war zu finden. Massenhaft Veilchen und Lerchensporn. Lichtblumen zu dieser Zeit findet man bei Eischoll, der Heimat der Walliser Lichtblumen.

 

SONY DSC

Lichtblumen in Eischoll

Wir wanderten noch zum alten Festungsbereich oberhalb des Rhoneknies, wo wir in ein bis zwei Monaten viele unterschiedliche Orchideen und andere Raritäten finden können. Auf dem Weg sahen wir schon das erste Kleine Knabenkraut, kurz vor dem Aufblühen. Auch einige frühe Berganemonen waren zu sehen. Es war ein schöner Tag, wie immer in Les Follateres.

2025 03.06. Hundszahnlilien

Früh im Jahr blühen an wenigen Orten in der Schweiz die Hundszahnlilien, eine wirklich schöne, dekorative Blume. In wenigen Tagen werden wir mit den Naturfotografen Schweiz nochmals dieses Blümchen besuchen gehen, es war höchste Zeit für mich die dankbarsten Fundorte zu lokalisieren. Denn die stundenlange Anreise soll sich ja auch lohnen.

Ursprünglich war geplant, dass wir drei Bergwanderkameraden mit unseren Frauen zusammen eine kleine Wanderung zu dieser Blume machen, doch wie das Leben so spielt, am Schluss waren nur noch Kurt und ich unterwegs. So beschlossen wir, die zwei bekanntesten Fundorte im Tessin zu besuchen und begannen mit dem Kirchenhügel Santa Agata in Tremona. Wirklich fanden wir dort die ersten blühenden Hundszahnlilien, allerdings in geringer Anzahl. Auch das Leberblümchen war zu finden, hier nur in der gewohnten blauen Version. An anderen Orten fand ich schon weisse und rosarote Leberblümchen, verschiedene Farbvarianten am gleichen Standort.

Nach dem Kirchenhügel wanderten wir abwärts allgemeine Richtung Stabio, vorbei an Zollstationen, Grenzsteinen und Rebbergen. Beim Monte Astorio fanden wir die Hundszahnlilie in grösserer Anzahl blühend. Ein Zufallsbekannter, welcher auch mit seinem Fotoapparat unterwegs war und offensichtlich auch schon mehrere Jahre hieher kommt, erklärte uns dass er noch nie so viele Hundszahnlilien auf einmal gesehen hätte. Persönlich wundere ich mich, dass trotz der Landschaftschäden, verursacht durch schweres Gerät bei der Forstwirtschaft das Blümchen doch noch lokal so zahlreich vorhanden ist. Für mich ein Rätsel, denn dieses Blümchen wächst wirklich nur örtlich beschränkt, auf der gut zweistündigen Wanderung zwischen Tremona und Stabio findet man kein einziges Exemplar. Auch am Monte Astoria gibt es einige Flecken mit den Blumen, wenige Meter daneben nichts mehr, obschon vergleichbare Hanglage und vergleichbarer Bewuchs.

Zurück fuhren wir mit dem Postauto nach Mendrisio, oft durch die engen Gassen der Tessiner Dörfer. Da wir auch am frühen Nachmittag den Zug Richtung Norden bestiegen, hatten wir Platz im Überfluss.

2024 11.08. Gaggio

Gaggio, welch ein Name für einen Berg. Ich habe ihn vor Jahren auf der Karte gefunden, markiert mit einem Kreuz. Wo ein Gipfelkreuz steht, muss die Aussicht ja prächtig sein, denn ein Gipfelkreuz steht ja nur dort, wo man es aus dem Tal erblicken kann. Doch all die Jahre fand ich keine Zeit, zum Gaggio hochzugehen. Doch nun war alles perfekt, die Seilbahn lief noch und es war ein schöner Herbsttag. Auf der Alpen Nordseite ein Nebeltag, im Süden Sonnig und ‚warm‘. Zu dritt trafen wir uns bei der Talstation in Monte Carasso, wo wir bei einer voll elektronischen Kasse zur Bergfahrt auch gleich die Zeit der Talfahrt bestimmen mussten. Die Kabine fasst 6 Personen und war schon gut ausgebucht, so dass wir erst auf 15h 45 wieder freie Kapazität bekamen.

Von Mornera stiegen wir auf guten Wegen zur Cabanna Albagno hoch. Oberhalb Mornera war der Weg ein kurzes Stück bereits für eine Schneeschuhtour ausgesteckt, offenbar erwarten sie tüchtig Schnee in der Region. Es war ein herrliches Steigen durch die farbenprächtigen Wälder, „unseren“ Gipfel sahen wir erst kurz unterhalb der Alpe Albagno. Recht einfach, doch etwas schweisstreibend führte der Weg zum Gipfel, von wo die Aussicht wirklich prächtig war. Man sah tief ins Tal nach Biasca und dem Bleniotal, aber auch nach Bellinzona. Nur Richtung Locarno war kein Tiefblick möglich. Von den Hochalpen sah man wohl die Monte Rosa und Täschhorn – Dom sowie etwas von den Berner Alpen, doch es war schwierig die Gipfel aus ungewohnter Ansicht zu bestimmen. Auch deckte die benachbarte Cima dell‘ Uomo ein Grossteil des Panorama ab. Noch fehlt mir die Applikation Pic Finder auf meinem Handy. Bei den Tessiner Bergen Richtung Süden war es wieder etwas einfacher, half uns doch der Lago di Lugano. Nördlich konnte ich doch noch den Campo Tencia bestimmen, einen Berg welchen ich früher mehrmals bestiegen hatte.

Nach einer gemütlichen Mittagsrast stiegen wir auf der gleichen Route wieder ab, nun etwas mehr Zeit zum Fotografieren brauchend. Gute 40 Minuten vor unserer gebuchten Abfahrtszeit kamen wir nach Mornera, wo wir noch etwas Kühles trinken konnten, bevor wir mit jungen Aargauern ins Tal nach Monte Carasso fuhren. In Bellinzona hatten wir noch einen ungewollten langen Aufenthalt beim Bahnhof, da beim Zug Richtung Norden erst Verspähtung gemeldet wurde, bevor er ganz ausfiel. Banal kam die Nachricht dass in Folge eines Ereigniss in Italien der Zug nicht Abfahren konnte. Der Zug welcher beinahe eine Stunde später fuhr war dann auch entsprechend gut besetzt.

2024 11.01. Monte Boglia

Nach langer feuchter Periode hat nun endlich das Altweibersömmerchen begonnen, doch die Alpennordseite steckt unter einer Nebeldecke. So beschlossen wir wieder mal ins Tessin zu fahren, insbesondere da der Basistunnel am Gotthard wieder für Passagierzüge offen ist. Da ich am Morgen nicht so früh wegfahren konnte, kamen wir erst kurz vor 11h in Lugano an. Der Bahnhof ist noch immer eine Baustelle und die Postbusse fahren nicht von der gewohnten Abfahrtsstelle. Wohl standen wir am bezeichneten Ort, doch der Bus kam nicht. Plötzlich sah ich den Bus etwa 80 Meter weit stehen, doch er fuhr nicht zu uns und schwenkte ab Richtung Stadtzentrum. Da der 1. November ein katholischer Feiertag ist gilt der ausgedünnte Fahrplan. Das bedeutete dass wir erst eine Stunde später wieder eine Fahrgelegenheit nach Brè hatten. So beschlossen wir erst noch einen Kaffee in der Altstadt von Lugano zu trinken.

Monte Boglia vom Bahnhof Lugano

Knapp vor 12h mittags fuhren wir denn in einem gut besetzten Bus hoch nach Brè, wo wir die Wanderung mit einer Stunde Verspätung in Angriff nahmen. Wir beschlossen den kürzest möglichen Weg zum Monte Boglia zu nehmen, welcher recht steil zum Sasso Rosso hochführt. Ich war schon früher einmal auf diesem Weg und war nicht so begeistert von ihm. Die „Normalroute“ ist wohl etwas länger, doch wesentlich einfacher zu gehen, so dass man ein schnelleres Tempo anschlagen kann. Oberhalb einer felsigen Stelle ruhten wir kurz aus und wurden von zwei jungen Damen aus Litauen überholt. Gerne liessen wir ihnen den Vortritt, waren wir älteren Knacker etwas ausser Athem. Etwas beunruhigt erkundigten sie sich ob sie den gleichen Weg wieder absteigen müssten. Sie hatten ihr Fahrzeug in Brè stationiert, indess wir ja den Monte Boglia überschreiten wollten. In der Tat waren sie beim Abstieg im noch relativ einfachen Gelände etwas gefordert, wie ich später beobachten konnte.

Nicht einmal nach 2 Stunden ab Brè erreichten wir den gut besuchten Gipfel, welcher eine herrliche Aussicht bietet. Dennoch konnten wir uns auf einer Holzbank hinsetzen mit Blickrichtung nach Italien und den Denti della Vecchia, welche wir auch schon öfters überschritten hatten. Die Mehrheit der Besucher lagerte sich in Richtung Lugano und Walliser Alpen. Es war ein Kommen und Gehen, dennoch hatten wir unsere Ruhe. Nach der verspäteten Mittagspause stiegen wir Richtung Alpe Bolla ab. Nun auf der Nordseite des Berges fanden wir einige frostige Stellen. Doch sahen wir auch schon die ersten Blätter der Christrosen, welche ab Januar bis März hier oben blühen. Die Alpe Bolla war noch bewirtet, in der Regel kenne ich nur das geschlossene Betriebsgebäude.

Von der Alpe Bolla wählten wir den einfachsten Weg Richtung Villa Lugano, von wo die Postautoverbindung Richtung Bahnhof Lugano am zuverlässigsten ist. Noch war das farbige Laub an den Bäumen, so dass wir nicht wie so oft knietief im Laub den Weg suchen mussten. Wir hatten da schon früher einige unangenehmere Erfahrungen gemacht, konnten doch feuchte oder vereiste Steine unter der Laubschicht lauern. Noch sah man vereinzelt die letzten Alpenveilchen blühen. Kurz vor 16h erreichten wir die Haltestelle des Postautos, welches kurze Zeit später fuhr. Unter den leuchtenden Denti della Vecchia fuhren wir zurück nach Lugano, von wo wir wieder nach Hause in den nebligen Norden fuhren. Es war wieder einmal ein schöner Tag in der Gegend der Denti della Vecchia, welche ich gerne und oft im Winterhalbjahr besuche.

Denti della Vecchia im Winter ohne Schnee
Christrose

2024 10.23. Chnügrat im Nebel

Es ist ein lausiger Herbst 2024, nass und wenig Sonne, nichts mit dem Altweibersömmerchen. So konnten wir nun längere Zeit nichts mehr unternehmen und beschlossen kurzerhand, mal in einer Regenpause etwas zu unternehmen. Da wir nichts riskieren wollten, beschlossen wir nach Braunwald zum Chnügrat zu gehen. Nächsten Sommer soll ja in der Gegend eine Procap – Tour „Der Berg ruft“ auf einen Vorschlag von mir durchgeführt werden und auf dem normalen Abstieg vom Chnügrat liegt ein grosser Stein auf dem Weg. Deshalb suchte ich nach einem anderen Weg, welcher weniger anspruchsvoll ist. Auch wollte ich meine neue Kamera etwas testen.

Am Morgen regnete es in der Region Zürich noch leicht, doch gemäss Niderschlagsradar sollte während unserer Wanderung kein Niderschlag fallen. Wohl hofften wir dass der Nebel sich verziehen werde, doch dem war leider nicht so. Auf der Talsole im Glarnerland war kein Nebel, doch die Berghänge waren eingehüllt. Die Sicht in Braunwald war auf etwa 50 Meter Distanz beschränkt. Es war angenehm zu gehen, so dass wir nach kurzer Zeit unsere Jacken auszogen und im leichten Tenü aufstiegen. Zum Grotzenbüel brauchten wir nicht ganz eine Stunde. Noch hofften wir dass der Nebel nicht bis zum Chnügrat gehen möge. Wir fanden denn auch eine nicht markierte, einfache Route, welche problemlos zum Grat hochführte. Doch auf dem Grat war immer noch Nebel, so dass wir erst auf der markierten Route etwas abstiegen, bevor wir in die richtige Richtung marschierten.

Chnügrat am 23. Oktober 2024

Glärnisch vom Chnügrat bei „normalen“ Wetter

Den höchsten Punkt erkannte man an den Sitzbänken und der Toilette, welche dort aufgestellt sind. Nichts von der schönen Aussicht ins Glarnertal, zur Glärnisch Südwand oder zum Eggstock. 360° Einheitspanorama. Obschon kurz vor Mittag, beschlossen wir weiter Richtung Gumen – Ortstockhaus zu gehen. Nun über Weideland wurde der Weg glitschig. Doch in den Felstunnels nach dem Seeblengrat leuchtete noch immer das Licht, obschon wir vermutlich die einzigen Wanderer waren an diesem Tag. Noch blühte etwas Augentrost und Silberdisteln am Wegrand. Auch im geschlossenen Restaurant Gumen leuchtete Licht. Vermutlich muss der Solarstrom vernichtet werden. Beim Abstieg zum Ortstockhaus wurde der Pfad zunehmend anspruchsvoller, zur Feuchtigkeit kamen noch die Hinterlassenschaften der Kühe, welche auf diesem Pfad ins Tal absteigen mussten. Auch die Kühe glitten gelegentlich aus, was ihren Darmverschluss nach der Schrecksekunde etwas löste. Feuchter Kalkstein und lehmige Erde war schon eh etwas anspruchsvoll zu gehen. Doch ohne die Wanderstöcke zu gebrauchen und ohne allzu schmutzige Schuhe erreichten wir das Ortstockhaus, von wo ein fahrbarer Weg zum Grotzenbühl führt. Mein Gleichgewichtsgefühl ist noch in Ordnung.

Im Nebel und ohne Regen erreichten wir wieder die Bahnstation Braunwald, von wo wir mit einem ausser Fahrplan fahrenden Zug wieder nach Linthal zurück kehren konnten.

2024 08.25. Dublin

Heute morgen haben wir Galway verlassen, beim herrlichsten Sonnenschein. Es schien als ob das Wetter zeigen wollte, dass es auch anderst kann wie vergangene Woche. Alle Iren sprachen nun dass der Sturm vorüber sei. Ich habe es einfach nur feucht empfunden. Bei der Busstation haben wir wieder einige Schülerinnen aus Sugis Klasse getroffen, doch nicht alle reisten im gleichen Bus. Die Busse fuhren alle 15 Minuten Richtung Dublin und Flughafen, alle waren wieder vollständig ausgebucht.

Am frühen Nachmittag kamen wir in Dublin an. Dublin und Galway sind grundverschieden. In Galway habe ich kein Haus mit mehr wie 4 Stockwerke gesehen, abgesehen von den vielen Touristen ein verschlafenes Städtchen. In Dublin sind die Häuser höher, die Strassen breiter und es hat noch mehr Volk. Wir fuhren mit dem Taxi zum Hotel. Taxis sind in Irland wesentlich billiger wie in der Schweiz. Nach dem Zimmerbezug gingen wir noch etwas in die Stadt, um erst einmal den Treffpunkt für morgen früh zu finden. Glücklicherweise liegt er gleich um die Ecke.

Nach Auffinden des Treffpunktes gingen wir noch etwas weiter und kamen zu einem kleinen Park oder Gedenkstädte (O’Connell Upper). Dort sahen wir einige Polizisten stehen. Auch hörte man plötzlich Trommeln und Pfeifen. Mit Fahnen und Fotopostern von Personen marschierte militärisch eine Gruppe Personen an. Als ich einen Passanten fragte, was das bedeutet, wurde mir erklärt dass es ein Gedenkmarsch für Hungertote sei, welche sich aus Protest gegen die Trennung Irlands in zwei Teile freiwillig sich zu Tode gehungert hatten. Morgen fahren wir ja von Dublin nach Belfast, in den anderen Staat. In Galway habe ich die Iren als freundliches, tolerantes Völkchen kennengelernt. Wohl hatten wir gewisse Vorstellungen aus Tagesschauen und Zeitungsberichten, welche von den Nordirischen Religionszerwürfnissen berichteten, doch in Galway winkte man das immer als bedeutungslos ab. In Dublin kamen mir unwillkürlich beim Aufmarsch dieser Gruppe die protestantischen Umzüge durch die katholischen Viertel in Belfast in den Sinn. Der Mensch ändert sich nie! Auf einen Schlag hatte mich die irische Politik eingeholt.

SONY DSC

Wir gingen noch bis zum River Liffey, wo morgen unsere Tour enden soll. Wir suchten noch die möglichen Taxistandorte, bevor wir über Umwege zum Hotel zurück fanden.

2024 09.13. Bisse Torrent Neuf

Wer kennt sie nicht, die künstlich erstellten Wasserleitungen, mit welchen die alten Walliser das Gletscherwasser auf ihre sonnigen Felder umleiteten. Einige sind noch in Betrieb, an vielen kann man entlang wandern. Einige dieser Wasserleitungen wurden ja aus Holz entlang von Felswänden gebaut, eine gefährliche Arbeit. Heutzutage gibt es einfachere Methoden, das Wasser auf die Felder zu bringen. Eine dieser Bissen, welche als „Museumsstück“ dem Fussvolk zugänglich gemacht wurde, ist die Bisse Torrent Neuf oberhalb Savièse bei Sion.

Schon früher hatte ich von dieser Bisse gehört, ohne ihren genauen Standort zu kennen. Ein Kollege, welcher wie ich Touren für Behinderte auf SAC – Hütten durchführte, dachte dass das eine schöne und eindrückliche Tour wäre, doch auch er kannte nur den ungefähren Standort. Dieses Frühjahr bekam ich nun mehr Informationen zu dieser Wasserleitung und ich plante die kurze, aber eindrückliche Wanderung.

Von Savièse stiegen wir auf steilen und schlecht markierten Wegen hoch zum Anfang des für Touristen restaurierten Teilabschnitt dieses Wasserkanals. Gleich zu Beginn erklären einige Fototafeln die Arbeiten an diesem Wasserkanal, welche von der ganzen Bevölkerung dieser Bergdörfer durchgeführt wurden. Auffällig, wie viele Frauen sich an der harten Arbeit beteiligten. Es fiel mir auf, wie stark auch der Dorfpfarrer an diesem Werk beteiligt war. Überall auf der Strecke gibt es Kapellen, bei welchen die Gläubigen um göttlichen Beistand bei ihrem gefährlichen Werk baten. In der Tat, dieser Wasserkanal hat mich schwer beeindruckt. Unglaublich was die Menschen mit den damals einfachen Werkzeugen in diesem schwierigen Gelände erstellten.

Das Kernstück dieser Wanderung ist kurz (3,2 km), man steigt auf dieser Strecke knapp 60 Höhenmeter. Der Weg ist einfach zu gehen, gut gesichert, aber es gibt 4 Hängebrücken zu queren und man sollte trittsicher und schwindelfrei sein. Der Tiefblick ist an manchen Stellen beeindruckend. Die Bisse führt nicht mehr durchgehend Wasser, nach einer Distanz von ca. 1 km liegt der Weg streckenweise im ehemaligen Wasserkanal.

Bei mir streikten die Fotoapparate, so dass ich nur mit meinem Handy einige Bilder machen konnte. Auch war das Wetter etwas feucht, oberhalb waren die Alpen gar eingeschneit. Keine idealen Verhältnisse. Immerhin sahen wir gute 300 Meter unter uns die Pont du Diable, die Teufelsbrücke. Wir sahen viel verblühter Stendelwurz, auch dürfte es im Frühjahr zusätzlich andere botanische Raritäten geben. So beschlossen wir, nächstes Frühjahr nochmals diesen Weg zu gehen. Vermutlich wird es dann etwas mehr Volk unterwegs haben, gibt es doch an beiden Enden der Strecke eine Buvette, welche beide wetterbedingt geschlossen waren.