2025 09.19. Juneau

Alaska hatte uns wirklich mit trüben Wetter empfangen. Es ist neblig und leichter Regen fällt. Nun fahren wir wieder zwischen den Inseln und alle halten Ausschau nach Walen. Wohl sieht man ab und zu Tiere ihre Fontainen blasen, aber alles in grösserer Distanz. Die Tiere sind auch nur für Sekunden sichtbar. Einmal gelang es mir eine Flosse zu fotografieren, doch dies ist auch alles. Mit dem stärkeren Teleobjektiv ist das Suchen noch schwieriger, da der Bildausschnitt kleiner und das Meer gross ist. Wir sind anschliessend auf Deck 3, dem Promenadedeck hinunter gefahren, wo die Passagiere wie Hamster im Hamsterrad ihre Runden um das Schiff drehen. Dort befinden sich die Aussenkabinen mit Fenstern, nur sollte man die ganze Zeit die Vorhänge geschlossen haben, damit nicht jedermann in die Kabine schauen kann.

Am frühen Nachmittag kamen wir in Juneau an, der Hauptstadt des Bundesstaates Alaska. Juneau ist keine grosse Stadt, betreffend Anzahl Häuser ein mittlelgrosses Dorf in Mitteleuropa. Aber mehr Schmuckläden wie an der Zürcher Bahnhofstrasse. Schätze dass jedes dritte Haus einen Schuckladen hatte, zumindest was das Hafenviertel betraf. Wir waren auch nur das dritte Kreuzfahrtsschiff, welches in diesem kleinen Hafen anlegte. Juneau wäre gut zu Fuss erkundbar gewesen, wenn nicht der Dauerregen gewesen wäre. Die Gegend kam mir vor wie im Urnerland, wenn der Nebel die höheren Berge abdeckt und die Bäche aus dem Nichts talwärts fliessen.

Wir hatten einen Ausflug zum Mendenhall Gletscher sowie Juneau Tram gebucht. Das Juneau Tram ist eine Seilbahn, welches vom Hafen auf den Mount Roberts führt. Die geschätzte Höhendifferenz mögen 200 Meter betragen. Doch als die Tour gestartet wurde, wurden wir informiert, dass das Juneau Tram geschlossen sei. Unser Ausflug ging also nur zum Gletscher ohne weiteren Zusatz. Es werde eine entsprechende Preisreduktion geben. Also fuhren wir im zunehmenden Dauerregen Richtung Mendenhall Gletscher, wo wir beim Besucherzentrum ausstiegen. Wohl gab es verschiedene Wanderwege, auf welchen man das Gebiet hätte erkunden können, doch bei diesem Regen hatten wir keine Lust dazu. Dafür sahen wir uns ein Video über das Gletschergebiet und den Tongas – Regenwald an. Auch der Mendenhall Gletscher ist stark am Schrumpfen, wie ältere Fotos belegten. Recht durchfeuchtet betraten wir wieder unser Schiff, wo wir mit heisser Schockolade empfangen wurden. Der Regen stoppte ca. 18h 30, als wir schon beim Abenessen waren. In der Nacht fahren wir dann weiter Richtung Skagway.

2025 09.17. + 18. Inside Passage

Am 17. 09. am morgen packten wir unsere Sachen um nach Vancouver zu fahren. Da wir das Gepäck um 7h 30 am morgen im Bus verstaut hatten, die Abfahrt jedoch erst um 8h 30 geplant war, wollten wir noch kurz etwas Frühstücken. Das Restaurant öffnete auch kurz vor 8h. Sugi und ich waren die Einzigen unserer Gruppe im Frühstücksraum und so bestellten wir unser Essen. Wir hatten nicht mit der Langsamkeit der Küche gerechnet und Sugi freute sich schon ob den grossen, warmen Pfannkuchen mit den Beeren, einer halben Banane sowie dem Ahornsirup. Leider konnte sie nicht einmal die Hälfte ihrer Portion essen, schon mussten wir gehen. Schnell ging es von Victoria zur Haltestelle der Fähre nach Vancouver. Um ca. 10h verliessen wir Vancouver Island und fuhren ans Festland. Unterwegs gab es noch etwas Aufregung an Bord, ein Walfisch wurde kurz gesichtet. Nach der Walbeobachtungstour von gestern konnte ich die Aufregung wegen eines einzelnen Tieres nicht mehr nachvollziehen.

Von der Anlegestelle der Fähre fuhren wir quer durch Vancouver Richtung Hafen für die Kreuzfahrtschiffe. Natürlich wurde gerade eine Besichtigungstour durch die Stadt daraus gemacht. Vancouver hat schöne Seiten, jedoch auch sehr schattige Stellen. In gewissen Quartieren sieht man viele Drogen- und andere Süchtige, ein unangenehmes Bild. Schockierend. Wir kamen zum Terminal der Kreuzfahrtschiffe und verabschiedeten uns von Kaysy und den Mitreisenden, welche die Kreuzfahrt nicht gebucht hatten. Beinahe die Hälfte blieb noch im Bus.

Im Schiffsterminal ging es zu wie auf einem Flughafen. Auch checkten die Passagiere für drei verschiedene Kreuzfahrtschiffe gleichzeitig ein. Ausweiskontrolle, Visakontrolle, Fingerabdrücke, Gepäckkontrolle, alles musste sein. Immer wieder wurden die Passagierströme aufgeteilt, bis schlussendlich alle Passagiere auf dem richtigen Schiff landeten. Das Gepäck musste noch auf die Kabinen transportiert werden. Wir waren noch immer am Auspacken der Koffer und Verstauen der Kleider, als das Schiff schon den Hafen verliess.

Die Informationen auf dem Schiff sind spärlich. Man muss sich alles selbst zusammensuchen. Per Zufall entdeckte ich, dass unser Abendessen um 17h im 5. Stock Tisch 63 stattfindet. Am Tisch fanden sich nur die Hälfte der vorgesehenen Gäste ein. Doch auch so waren die Kellner etwas überfordert und servierten Gerichte an Personen, welche etwas anderes bestellt hatten. Zum Glück konnte man das am Tisch noch die Gerichte unter den Gästen austauschen.

Die geräumige Kabine hingegen überraschte uns positiv und ich bin nun recht froh, dass wir diese Variante gebucht haben. Wir haben einen kleinen Balkon für uns allein, wo man direkt auf See und Land sehen kann. Schon am Abend wurde ein Wal gesichtet.

Nach ruhiger Nacht wachten wir um 7h Ortszeit auf und ich erlebte einen wunderschönen Sonnenaufgang. Leider bedeckte sich der Himmel später und wir sahen die Küste auch nicht mehr. Die Temperatur wird auch zunehmend kühler. Am späteren Nachmittag setzte leichter Regen ein, welcher bis zur Nacht anhielt. Keine Walfische oder Orcas zu sehen, nur tolle Kameras mit Superobjektiven. Morgen soll die Fahrt zwischen Inseln und Festland weiter Richtung Juneau gehen.

Notabene nun essen wir am Buffet im 8. Deck. Da kann man selbst aussuchen, was man Essen möchte und sieht direkt, was auf eigenem Teller landet.

2025 09.17. Victoria

Heute war Whal – watching angesagt. Nach 9h 30 holte Kaycy die Teilnehmer ab, welche dieses Programm gebucht hatten. Ein kurzer Spaziergang zum Hafen, die Tickets buchen und ab ging es aufs Schiff. Unsere Gruppe kam etwas spät aufs Schiff, so hatten wir nur noch Stehplätze zur Verfügung. Die ganze Tour dauerte gute 4 Stunden, aber es war es Wert. Erst fuhren wir aus dem Hafen und gut eine halbe Stunde aufs Meer hinaus. Ich fragte mich, woran die Schiffsbesatzung feststellt, wo die Wale sein könnten.

Mitten auf dem Meer waren auffällig viele Vögel. Dorthin steuerte unser Boot, welches ja das zweite war, welches den Hafen verliess. Plötzlich sahen wir den ersten Buckel aus dem Wasser steigen. Das Meer, welches sonst geringen Wellengang hatte, war auf einmal wie aufgerührt. Mitten in diesen kurzen Wellen gab es ruhiges Wasser, wie Oelflecken. Offensichtlich waren hier Heringschwärme, zumindest sah man viele Vögel mit solch kleinen Fischen im Schnabel. Immer wieder sah man Walfischbuckel aus dem Wasser steigen. Ab und zu blies einer eine Wasserfontaine in die Luft. Seltener sah man Schwanzflossen aus dem Wasser auftauchen, wenn der Wal steil in die Tiefe hinabschwamm. Zu Fotografieren gar nicht so einfach, da der Fisch oft in grösserer Distanz zum Schiff war. Doch wir fahren ja demnächst durch vergleichbare Gewässer und dort werde ich mein grosses Teleobjektiv einsetzen können. Auch haben wir eine Kabine mit Balkon gebucht, so dass ich wenig von anderen Passagieren bedrängt werde.

Es gab auch mehrere kleine Inseln, wobei eine mit einem Leuchtturm bestückt war. Dort waren viele Seelöwen, welche auch viel Lärm machten. Auch einen kleinen Seehund sahen wir im Wasser. Die Ausflugszeit betrug gute 4 Stunden, welche wir stehend auf Deck verbrachten.

Nach der Rückkehr in den Hafen gingen wir erst Mittagessen. Anschliessend war Sugi müde und brauchte Erholung im Zimmer. Erst ging ich Bargeld organisieren, da die Reiseleiterin und der Buschaufeur ja nicht mit der Kreditkarte ihr Trinkgeld erhalten können. War gar nicht so einfach, doch schlussendlich hatte ich das Geld. Nun wollte ich noch den Totempfahl im Bacon – Park besuchen. Sugi war noch müde, so ging ich allein. Der Totempfahl war etwas eine Entäuschung, ich hatte etwas anderes erwartet. Immerhin ist er weltweit der höchste Totempfahl. Bei der Rückkehr ins Hotel lief ich zufälligerweise noch am Royal British Columbia Museum vorbei, welches auf einer Wiese neben dem Haus mehrere Totempfähle aufgestellt hat. Zum Glück musste ich nicht in das Museum gehen, um die Pfähle zu sehen, denn das Personal war im Streik. Mehr Lohn werde gefordert, der Streik betraff alle Museen an diesem Tag.

Nun gilt es wieder die Koffer packen. Diesmal müssen alle Gepäckstücke mit den Schiffsetiketten versehen werden, welche wir als .pdf – Dateien im Voraus zugestellt bekommen hatten. Ein Paar, welches mit unserer Gruppe mitreist und auch die Kreuzfahrt gebucht hat, hatte keine Ahnung davon. Nun freue ich mich wirklich auf die wöchige Kreuzfahrt Richtung Alaska.

2015 09.16. Kamloops – Victoria

Die letzte Etappe quer durch Kanada. Unsere Reiseleiterin Kaycy hat nun Eile, wieder einmal nach Hause zu kommen, sie wohnt in Victoria und schwärmt von der schönen Stadt. Damit wir rechtzeitig auf die Fähre Vancouver – Victoria kamen, wurde in Kamloops früh abgefahren und unterwegs gab es zwei kurze Stopps. Erst wurde das Gebirge immer flacher, bis es sich vor der Küste wieder aufbäumte. Es war regnerisch, Nebelfetzen hingen an den Bergen. Doch fuhren wir auch an einem Waldbrand vorbei, wohl flächenmässig nicht so gross, doch deutlich sah man 3 Brandherde im Wald. Vor Vancouver wurde das Wetter wieder sonniger und wir erreichten rechtzeitig die Verladestation zur Fähre. Wir hatten noch 30 Minuten Zeit, uns zu verpflegen und bekamen ausdrücklich die Ermahnung, pünktlich wieder im Bus zu sein. Alle sassen im Bus, welcher langsam Richtung Verladerampe fuhr, da kam noch Kaycy angerannt. Ausgerechnet sie, welche uns doch so sehr ermahnt hatte pünklich zu sein, hatte sich verspätet. Da gab es einige amüsierte Gesichter im Bus.

Die Überfahrt nach Victoria dauerte ca. 1 1/2 Stunden und war sehr schön. Vorfreude auf die Kreuzfahrt Richtung Alaska kam auf. Das Wetter war sonnig und wir sassen am Heck im Freien. Auf Vancouver Island angekommen, fuhren wir erst zu Butchards Garden, einem botanischen Garten, welcher erst in einem alten Steinbruch angelegt wurde. Wir hatten zwei Stunden Zeit, uns die Blumen anzusehen. Dank des milden Klimas und der Lage des Gartens blühte noch immer erstaunlich viel.

Nach der Besichtigung des Gartens fuhren wir nach Victoria. Eine wirklich europäisch anmutende Stadt, wohl gibt es auch Hochhäuser, doch niemals so hoch wie in anderen Städten. Viele 1 – 2 stöckige Häuser, viel Grün. Wie schon in Banff wurde auch das ganze Quartier mit dem Bus abgefahren und die wichtigsten Gaststätten erwähnt. Als wir schlussendlich zum Hotel Royal Scot Suite kamen, stand schon ein Dudelsackpfeiffer als Empfangskomitee bereit und fing munter an sein Stück zu spielen. Da wir mit dem Ausladen des Gepäcks beschäftigt waren, fand er vermutlich zu wenig Aufmerksamkeit und fuhr auf einem Fahrrad davon.

Es war die letzte gemeinsame Fahrt dieser für Europäer ungewohnt zusammengesetzen Gruppe. Nun werden die Einen in zwei Tagen zur Alaska – Kreuzfahrt aufbrechen, andere werden für zwei Tage nach Vancouver fahren. Wir werden von Kaycy noch zum Schiffsterminal Richtung Alaska begleitet, ab dann schlagen wir uns selbst durch. Wir haben schon einen Gutschein für das Taxi vom Schiff ins Hotel in Vancouver erhalten. Kaycy wird dann schon wieder mit der nächsten Gruppe quer durch Kanada unterwegs sein.

2015 09.15. Banff – Kamloops

Unsere Zeit in den kanadischen Rockys geht zu Ende. Am Morgen wurde der Bus wieder beladen. Ohne Frühstück fuhren wir auf der uns schon bekannten Strasse zum Kicking Horse – Pass, wo wir bei den berühmten Kehrtunnels wieder anhielten. Doch diesmal kam kein Zug, so dass wir nach kurzer Zeit weiter fuhren. Wir stoppten dafür weiter talwärts bei einer Naturbrücke, welche sich der Kicking Horse River gegraben hatte.

Der nächste Halt war bei einem Bergsteigerzentrum. In einem Ausstellungsraum war ein altes Hanfseil, ein klassischer Eispickel sowie genagelte Schuhe zu sehen. Erinnerungen an meine Jugendzeit. Vor dem Zentrum waren künstliche Bergziegen zu bewundern.

Bis Golden war uns die Strecke ja bekannt. In Golden gab es die Mittagsrast. Wir besuchten ein chinesisches Restaurant. Sehr zuvorkommend war die Gastgeberin nicht, der Ton war gewöhnungsbedürftig. Doch die Zeit war knapp, eine Stunde musste genügen. Dafür unterhielt uns eine Angestellte mit einem Staubsauger, sie reinigte den Boden während die Gäste beim Essen waren. Andere Länder, andere Sitten.

Im 19ten Jahrhundert wurde ja zur Erschliessung Kanadas eine Bahnlinie von Ost nach West geplant und erstellt. Besonders anspruchsvoll war ja die Strecke durch die Rocky Mountains. Von beiden Seiten wurde an der Strecke gearbeitet. Nun kamen wir zu der Stelle, wo der letzte (goldene) Nagel eingeschlagen wurde. Eine kleine Gedenkstätte steht dort, der „goldene“ Nagel ist noch immer am Bahngeleise markiert. Auch eine Tafel mit den Unterschriften der chinesischen Arbeiter, welche die Bahnlinie erstellten, gibt es zu sehen.

Das Gebirge wurde merklich niedriger und grüner. Doch gerade hier sah ich eine der weissen Bergziegen am Strassenrand stehen. Der Bus fuhr einfach weiter, keine Zeit anzuhalten. Der nächste und letzte Stopp gab es in einer Ortschaft, wo es ein berühmtes Speiseeis zu kaufen war. Es war Sonntag und zugleich Markttag. Wir deckten uns auf dem Gemüsemarkt mit Beeren und Äpfeln ein und dann stand auch ich in der langen Schlange für ein Eis. Vor mir standen zwei Familien aus der Gegend, welche ihren Kindern Eis kauften. Heute gab es wohl gut 20 verschiedene Aromen zu kaufen, wobei welche auch sehr fantasievoll tönten. So gab es eine Sorte, welche nach Kaugummi schmecken soll. Selbst versuchte ich Blaubeereneis und es schmeckte wirklich dank des vielen Rahms, welcher im Eis verarbeitet wurde, sehr gut. In Kamloops kamen wir bei bedeckten Himmel an.

2025 09.13. Golden

Ein Tag in Banff zur freien Verfügung gemäss unserer Reiseorganisation. Angeboten wurden Helikopterflüge, welche uns aber nicht interessierten. Auch die Ausflüge in die nähere Umgebung lockten uns wenig, ist doch Banff das Zermatt oder Interlaken in den Kanadischen Rocky Mountains. Deshalb buchte ich einen Tagesausflug zu Boo, dem Grizzlibären. Boo ist in Golden zu Hause.

Morgens früh um 7h wurden wir vor dem Nachbarhotel abgeholt. Anschliessend wurden die restlichen Gäste abgeholt. Wir waren 3 Paare, 6 Teilnehmer. Ein Paar kam aus Belgien, das andere aus Bayern. Los ging es auf der Schnellstrasse Richtung Kicking Horse – Pass. Unser junger Führer, in Brasilien geboren, in England (London) aufgewachsen und nun in Kanada lebend erzählte uns die Geschichte, wie der Pass zu seinem Namen kam. Als die Eisenbahn von Toronto nach Vancouver geplant wurde, waren die Rocky Mountains erst sehr spärlich besiedelt und man schickte Männer aus, welche die best mögliche Strecke durch das Gebirge suchen sollten. Einer der Männer, dessen Namen ich vergessen habe, versuchte eines Morgens den Fluss am Pass mit seinem Pferd zu queren, doch das Pferd bockte und schlug aus. Der Mann fiel vom Pferd und verletzte sich schwer. Zur Erinnerung an dieses Ereigniss taufte man den Pass in Kicking Horse – Pass, den Fluss in Kicking Horn – Fluss. In Kanada war es schon früher üblich, dass man den gleichen Namen für eine ganze Region verwendete. Dies taten schon die Leute der First Nation, wie man heutzutage die Indianer nennt. Die Bahnlinie wurde über diesen Pass gebaut, doch die Steigung war massiv und es gab Unfälle mit der Bahn, welche dieseStrecke nicht immer schafften. Da holte man Schweizer Ingenieure, welche das System der Kehrtunnels kannten und nun die Strecke umbauten. Auch wurden die ersten Lawinenschutz- und Steinschaggallerien gebaut. Heute gibt es einen beliebten Aussichtspunkt, wo man einen dieser langen Güterzüge auf mehreren Höhenlagen über den Pass kriechen beobachten kann. Allerdings muss man genau hinsehen, wo das Bahntrasse verläuft, der Pass ist ja bewaldet. Man sieht den Zug kaum. Solch ein Spetakel lässt sich besser am Albulapass oder im Tessin zwischen Faido und Biasca beobachten.

Nachdem wir zufällig das Glück hatten, einen Güterzug durch die Kehrtunnels fahren zu sehen, ging es weiter zum Takakkaw – Wasserfall, es soll der dritthöchste Fall Kanadas sein. Schon die Fahrt hoch war ein spezielles Erlebniss, gibt es doch zwei Kurven, welche längere Autos nur mit Hin – und Herfahren wie eine Spitzkehre schaffen. Autos mit Längen über 8 Meter schaffen diese Stelle nicht mehr. Der Wasserfall ist recht beliebt, so trafen wir auch ein Brautpaar an ihrem Hochzeitstag auf dem Wanderweg zum Wasserfall. Das Schuhwerk des Paares war nicht so geeignet für diesen Wanderweg, trotzdem strahlten beide. Hoffentlich sind ihre Fotos gelungen. Der Führer erzählte uns, dass man oft Kletterer sehen könne, welche die Wand beim Wasserfall besteigen. In der Tat sahen wir zwei Personen, doch die Kletterei scheint nicht so schwierig gewesen zu sein. Als wir die Kletterer entdeckten, schienen sie eine knappe Seillänge Distanz voneinander zu haben. Der erste Kletterer querte überraschend schnell auf einem Band die Wand und die Distanz zur zweiten Person nahm laufend zu. Plötzlich verschwand die erste Person, indess die zweite langsam querte. Knapp eine Minute später sah man plötzlich die erste Person weit oberhalb der zweiten Person wieder, die Distanz nahm laufend zu und betrug schon mehrere Seillängen. Ich gehe deshalb von der Annahme aus, dass die Felswand nicht so schwer zu durchsteigen ist und vermutlich auch einen gesichterten Steig hat.

Wir fuhren weiter nach Golden, wo wir zu einem Seilpark geführt wurden. Dort bekamen wir unser Mittagessen. Erst führte uns der Führer über zwei etwas wacklige Hängebrücken, welche eine Schlucht querten. Im Bild die untere Hängebrücke, mit der man zum Eingang zurück kam. Nicht alle Personen kamen mit, ein Paar wartete beim Eingang. Es gab noch andere Attraktionen in diesem Seilpark, Nervenkitzel war garantiert. Die Schlucht mag ca. 160 Meter tief gewesen sein.

Nach dem Mittagessen fuhren wir nun zum Skiresort Kicking Horse, wo wir mit einer Sesselbahn zum Bärengehege hochfuhren. Das Gehege ist recht gross und erst war der Bär nicht sichtbar. Nach geraumer Zeit sahen wir ihn zu einem Gewässer gehen und dort zu baden. Nachdem er sich etwas abgekühlt hatte, bequemte er sich und kam etwas näher. Nun liess er sich länger beim Futter suchen beobachten. Wir verbrachten gut eine Stunde beim Bären. Die Frage, ob er glücklich ist in seinem wohl grossen Gehege kann niemand beantworten. Tatsache ist dass er als Kleinbär seine Mutter verlor und nichts als dieses wohl grosse Gehege als Lebensraum kennt.

Zum Schluss fuhren wir noch zum Emeraldasee, wo uns die gewohnte Touristenmasse wieder einholte. Wie ungewohnt, erfreulich wenig Personen hatte es doch bei Boo, dem Bären.

2025 09.12. Jasper – Banff

Heute verliessen wir das Lobstick Inn, um nach Banff ins Rundelstone Lodge zu wechseln. Am Morgen früh, zu früh für das Frühstück, wurde unser Gepäck verladen und wir fuhren Richtung Banff, erst mals zum Columbia – Gletscher. Die Schweiz hat ja eine Eisenbahn um die Touristen beim Jungfraujoch auf das Eis zu bringen, die Kanadier liessen sich etwas anderes einfallen. Seit 1940 befahren sie den unteren Teil des Columbia – Gletschers mit Motorfahrzeugen.

Zu Beginn fuhren wir durch den abgebrannten Jasper Nationalpark, bis wir in Gebiete kamen, wo der Wald noch intakt ist. Wir überquerten die Grenze der Provinzen Alberta zu Britisch Columbia und kamen auf dem Parkplatz des Columbia – Icefields an. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, der Overtourismus lässt grüssen. Zuerst werden die zahlungsfähigen Touristen auf einem Parkplatz gesammelt, um sie mit normalen Bussen zum Umsteigeort auf Spezialfahrzeuge zu führen. Mit diesen Spezialfahrzeugen fährt man über die Moräne hoch zum Gletscher und über das Eis zu einem Aufschwungs des Gletschers. Da war recht viel Betrieb. Es gab auch Gruppen, welche mit einem Führer die Gletscherzunge zu Fuss hochkamen, eine Wanderung von ca. 1 Stunde. Die Marschordnung in Einerreihe, ohne Abstand, ohne Seil betonte wie ungefährlich der Gletscher in diesem Bereich ist. Doch auch er schmilzt recht stark. Gletschertor hatte er keines, das Wasser floss über ein Kiesbett ab.

Weiter ging die Fahrt zum Bowsee. Auch da einige Leute. Der See ist recht malerisch, was auch eine Künstlerin mit ihrer Staffelei betonte. Sie malte nicht nur demonstrativ an ihren Bildern, sie verkaufte auch gleich vor Ort. Weit oben in den Bergen konnte man bewegliche weisse Flecken sehen, die berühmten Bergziegen. Zu weit für mein Tele mit 300 mm Brennweite.

Natürlich wurde unterwegs auch beim Lake Louise Halt gemacht, um den wohl berühmtesten See der Rocky Mountais und sein nicht minder berühmtes Hotel zu bestaunen. Sugi war nun recht hungrig, doch gerade hier gab es keinen der sonst üblichen Koffe -Shops oder Imbisständen. War sonst schon recht viel Volk anzutreffen, hier war Isletwald pur. Aber das Hotel mit seinem Park ist deutlich vom allgemeinen Bezirk abgetrennt, Betreten der Parkanlage nur mit Hotelzimmerschlüssel möglich. Eine Übernachtung an SFr. 300.- möglich. Die wenigen Hotelgäste, welche den Park vor dem Hotel genossen, müssen sich wie Zootiere gefühlt haben. Nach einer Stunde Aufenthalt fuhren wir weiter nach Banff.

Banff ist einiges grösser wie Jasper. Wir wurden im Bus durch die Hauptstrasse gefahren und auf die wichtigsten Hotels und Restaurants aufmerksam gemacht. Persönlich war mir Jasper sympatischer, kleiner, weniger Rummel. Das Hotel Rundelstone liegt etwas abseits, dafür gibt es einen öffentlichen Bus in die Stadt. In Jasper hatten wir zu Fuss zu gehen. Nur schon das zeigt die Grössedifferenz beider touristischer Orte, welche sich beide aus Bahnstationen entwickelt haben.

2025 09.11. Jasper Tag 2

Heute begann unser Tageswerk etwas später, wir wurden erst nach 11h aufgefordert, beim Bus zu sein. Wir fuhren zum Maligne See, wo wir eine Bootsfahrt zur Spirit Island gebucht hatten. Der erste Teil der Strecke war Sugi und mir schon von gestern abend bekannt, sahen wir doch auf dieser Strecke das Murmeltier und den Elch. Die Fotos auf Sugis Handy wurden etwas neidisch betrachtet. Der abgebrannte Wald war bei Tageslicht noch eindrucksvoller wie beim Dämmerlicht letzten Abend. Beim Ausstellplatz wo wir das Murmeltier sahen, hielten wir erneut und sahen wirklich nochmals zwei Tiere.

Nach dieser Pause fuhren wir ohne weiteren Halt zum Maligne See, wo wir eine kleine Pause einlegten, bevor wir das Schiff Richtung Spirit Island besteigen konnten. Die Schiffsbesatzung, weiblicher Kapitän und männlicher Matrose, beides junge Leute, arbeiten im Winter als Skilehrer in Jasper. Flott ging es in gut 40 minütiger Fahrt zur Spirit Island, welches in Wirklichkeit eine Halbinsel ist. Die Landschaft ist wirklich schön. Ein Berg erinnert stark an den Gitschen oberhalb Flüelen am Vierwaldstättersee, nur steht er auf der falschen Seeseite. Leider war das Wetter etwas diesig, die weiter entfernten Berge konnte man nur im Dunst schwach erkennen. Bei der 30 – minütigen Pause konnte man ein kurzes Stück wandern und dise berühmte Halbinsel von verschiedenen Seiten bewundern. Auch die Rückfahrt verlief problemlos.

Nachdem wir das Schiff velassen hatten, fuhren wir mit dem Bus zurück und entdeckten noch einen Adlerhorst mit drei Jungvögeln. Dieser Horst entging unserer Aufmerksamkeit auf der Hinfahrt, auch gestern Abend beim Wildbeobachtungsausflug hatten wir ihn nicht beachtet. Kurz vor Jasper sahen wir wieder Wapiti – Hirsche, erst die uns von gestern Abend bekannte Gruppe, anschliessend einen Bullen mit zwei Weibchen. Die zweite Gruppe befand sich nahe der Schnellstrasse Jasper – Edmonton und verschiedene Autos hielten an, die Tiere zu beobachten. Das erzeugt natürlich Stau, was wiederum der Verkehrspolizei nicht gefällt. So konnten wir beobachten, wie eine Wildhüterin sich aufmachte, die Gruppe zu vertreiben. Erst hatte der Bulle keine Freude daran und wir dachten schon, dass er angreifen werde. Doch die Wildhüterin hatte einen langen Stock mit einem roten Tuch bei sich, was den Bock beunruhigte und die Tiere zur Flucht veranlasste.

2025 09.10. Jasper Tag 1

Morgens um 7h verliessen wir den Zug. Erst mussten wir warten, bis unser Gepäck ausgeladen wurde. Anschliessend gingen wir zu unserem Bus, noch immer ohne Frühstück. Unsere Reiseleiterin erklärte, dass das Hotel Lobstick Inn noch nicht bereit sei für den Zimmerbezug. Wohl fuhren wir an unserem Hotel vorbei, wo zwei Personen ausstiegen. Der Rest der Gruppe fuhr durch den abgebrannten Jasper Nationalpark erst zu einem Aussichtspunkt. Das Feuer hatte die Gegend im April 2025 praktisch vernichtet, doch blühten schon wieder die ersten Blumen. Unsere Reiseleiterin hatte nun die Idee, zum Frühstück zur Raststätte am Mount Robson hochzufahren, wo die Gegend nicht vom Feuer vernichtet war.

Von der Raststätte sah man den Mount Robson ohne Wolken. Ein wirklich schöner Berg, mich beeindruckte er, doch wäre ich wohl nicht mehr fit genug für seine Besteigung. Technisch dürfte er noch in meinen Möglichkeiten liegen, doch die Höhendifferenz ist recht gross. Nach der Frühstückspause ging es zurück Richtung Jasper, doch wir fuhren am Ort vorbei zum Athabasca – Wasserfall. Ein wirklich schöner Wasserfall. Langsam wurde ich etwas unruhig, hatte ich doch für Abends eine Wildbeobachtungstour gebucht und sollte zu einer bestimmten Zeit in der Lobby des Lobstick Inns warten. Gemäss ursprünglichen Reiseprogramm war der ganze Tag zur eigenen Verfügung, nun versuchte unsere Reiseleiterin für alle ein Tagesprogramm zusammen zu stellen.

Nach dem Wasserfall gingen noch einige Mitglieder unserer Gruppe zum „Wildwasser“ – Rafting, die Reiseleiterin erklärte dass der Fluss kein wildes Wasser sei. Nachdem wir diese Gäste am Fluss abgesetzt hatten, fuhren wir nun zum Hotel. Dort bekamen wir unsere Zimmerschlüssel und das Gepäck wurde angeliefert. Zufällig zur gleichen Zeit wie wir in der Lobby warten sollten. Schnell das Gepäck ins Zimmer und runter zur Lobby, wo wir schon erwartet wurden. Wir stiegen in den Kleinbus und weiter ging es zum Sammeln weiterer Teilnehmer. Als alle Teilnehmer im Bus versammelt waren, wollte der Führer wissen, aus welcher Gegend wir kommen und welche Tiere wir zu sehen wünschen. Natürlich könne er nicht die Tiere anrufen, dass sie sich zur gewünschten Zeit am bestimmten Ort präsentieren. Wir sollen selbst links und rechts schauen, wo wir was sehen. Er werde stoppen. Vermutlich werden wir Elks (Wapitihirsche) und andere Hirsche sehen, Dickhornschafe und Weisse Bergziegen, ev. Biber. Wenig wahrscheinlich sei ein Moose (Elch) und Bären anzutreffen. Was wir bei Beginn dieser Fahrt noch nicht wussten, dass unsere Erwartungen übertroffen wurden. Wildtiere zu Beobachten ist ja Glückssache und wir hatten vermutlich mehrere Sonntagskinder in unserem Kleinbus.

Erst fuhren wir auf der Schnellstrasse Richtung Norden und prompt trafen wir ein Rudel Elks (Wapitihirsche) an, ein Harem bewacht von einem Bullen. Weiter ging es zu den Dickhornschafen, welche wir an der Strasse antrafen. Unterwegs fuhren wir noch an einem Weisskopfadler vorbei, da der Baum zu weit entfernt war hielt der Fahrer nicht an. Die Bergziegen liessen sich hingegen nicht blicken. Wir sahen auch Blacktail – Hirsche sowie einen schwimmenden Biber.

Nun fuhren wir hoch Richtung Maligne Lake, in der Hoffnung noch andere Tiere anzutreffen. In der Tat, bei einem See unterhalb des Maligne Sees sahen wir Murmeltiere. Weiter ging die Fahrt bis wir auf einem Parkplatz mehrere Autos sahen. Die Leute waren alle ausgestiegen und sahen in eine Richtung. Auch wir stoppten und verliessen unser Fahrzeug. Tatsächlich, auf der gegenüberliegenden Seite eines vorbeifliessenden Gewässers blickte ein mächtiger Elch (Moose) zu uns herüber. Ein männliches Tier, welches nach kurzen Zögern durch den Bach marschierte. Nun beeilten sich die anwesenden einheimischen Kanadier, alle Personen wieder in die Autos zu verfrachten und die Motoren zu starten. Elche sind unberechenbare Tiere und durchaus in der Lage, ein Auto schwer zu beschädigen. Doch „unser“ Elch hatte keine Absichten, uns zu schaden und verschwand schnell und leise im Wald. 

Aufgekratzt fuhren wir zurück Richtung Jasper. Wieder eine Autokolonne am Strassenrand. Nun sahen wir eine Bärenmutter mit ihren zwei halbwüchsigen Jungen. Unser Führer wusste sofort um welche Tiere es sich handelte. Die Bärenmutter ist als Problembär bekannt und wurde schon in ein anderes Gebiet versandt, doch sie fand zu ihrem alten Revier zurück. Nächstes Jahr sind ihre beiden Jungen selbstständig und dann werde sich die Parkbehörde erneut um das Muttertier kümmern. Was mit ihr geschehe, sei noch nicht bestimmt, doch so nah an Jasper und dem Touristengebiet darf sie nicht bleiben. Zu sehr schätzt sie die von Menschen produzierten Lebensmittel. 

Als wir kurz vor Jasper nochmals eine Gruppe Elks (Wapitihirsche) sahen, frug der Führer, ob er anhalten soll. Doch die Mehrzahl der Gäste war langsam müde und wollte in ihre Hotel zurück, wo wir kurz vor 22h eintrafen. Wir hatten noch unser Gepäck auszupacken, auch hatten wir noch kein Nachtessen. Müde, aber zufrieden gingen wir schlafen.

2025 09.07. – 09. 09. Zugsfahrt Toronto – Jasper

Am Sonntag Morgen sind wir in Toronto in den Zug «The Canadian» eingestiegen. Beim Einsteigen hatten wir die Anweisung, in der Kabine auf die Instruktion eines Zugbegleiters zu warten und anschliessend mal den Zug zu erkunden. Der Zug ist beträchtlich lang, schätze 200 Meter, wobei sich unsere Kabine im vorderen Drittel befindet. Wir haben eine Kabine für 2 Personen mit eigener Toilette und einem Wasserbecken. Die Kabine mag zwischen 10 und 12 m2 gross sein. Als Sitzgelegenheit gibt es zwei verschiebbare Stühle. In jedem Waggon befindet sich auch eine Duschkabine. Pro Wagon gibt es 6 geschlossene Kabinen sowie einige Sitz- und Schlafplätze, welche in der Nacht mit Vorhängen unterteilt werden. Nach 4 Waggons kommen jeweils ein spezieller Waggon. Der Wagon hat ein Abteil für allgemeinen Aufenthalt sowie eine Aussichtskuppel. Ein Waggon in der Zugsmitte ist die Bordküche mit Restaurant. Im Restaurant wird in 3 Schichten gegessen, wir haben uns für Schicht 1 angemeldet. Die Kabinen sind nicht abschliessbar und könnten jederzeit von fremden Personen betreten werden.

Die Schlafgelegenheit ist ein Kajüten Bett, welches jeden Abend heruntergeklappt wird. Selbst habe ich keine Probleme mit der oberen Schlafgelegenheit und komme auch mit der schmalen Treppe gut zurecht, doch einige Mitpassagiere beklagten sich über unruhige Nächte. Auch ist nicht jeder gewohnt, über solch schmale und steile Treppe zu seinem Schlafplatz zu steigen.

Interessant ist auch das Volk, welchem man auf dieser Fahrt begegnet. Zu unserer Reisegruppe gibt es auch viele andere Passagiere aus verschiedensten Ländern. So begegnete ich am ersten Tag im Kuppelwagen zwei Schweizer Ehepaare, welche mit dem gleichen Zug, doch nicht in unserer Gruppe mitreisen. Es gibt auch viele Kanadier, welche sich diese Zugsfahrt als Ferien gönnen. Einige Kanadier äussern sich recht ungehalten über die Politik des aktuellen US – Präsidenten. Aber auch viele Engländer und Schotten fahren mit. Sogar US – Amerikaner leisten sich diese Reise. Die «exotisten» Passagiere ist wohl ein Paar aus Zaire europäischer Abstammung.

Der Zug fährt sehr unregelmässig, mal schneller, mal langsamer. Energietechnisch nicht wirtschaftlich, da der ganze Zug immer wieder abgebremst werden muss und auch zum Anfahren Energie braucht. Oft hält er mitten auf der Strecke an, um einen Gegenzug passieren zu lassen. Nicht alle Bahnhöfe werden bedient, doch es kann vorkommen, dass er mitten im Wald anhält, um Passagiere mit ihren Paddelbooten und Proviantkisten auszuladen. In der Regel steht dann ein einzelnes Haus im Wald in Nähe eines des zahlreichen Sees, die Bahnstation. Der Zug hat keinen starren Fahrplan, das hat uns schon die Reiseleiterin erklärt. Die Ankunftszeit in Jasper, unserer Endstation könne um Stunden variieren, je nachdem wie viele Güterzüge unterwegs sind.

Am ersten zwei Reisetage fuhren wir über den kanadischen Schild, eine bewaldete, steinige, hüglige Gegend mit viel Gewässer. Ehemals Land der Huronen, die Lederstrumpferzählungen von James Cooper kommen in Erinnerung. Die Geschichte des letzten Mohikaners hat sich ja dort abgespielt. Ohne die vielen Seen könnte man denken, man befinde sich in einem der deutschen Mittelgebirge. Doch allzu dicht besiedelt ist die Gegend nicht, ab und zu sieht man ein Haus. Der Wald ist unseren mitteleuropäischen Wäldern ähnlich. Auffällig die schlanken Nadelbäume, sie haben nicht so lange Äste wie bei uns. Einige Laubbäume beginnen sich zu verfärben.

Der dritte Reisetag führte über die Prärie oder was von ihr noch geblieben ist nach Edmonton. Grosse Getreidefelder, es sollen auch viele Ukrainer dort siedeln. Das Bahntrassee wurde auch immer unruhiger, es gab Streckenabschnitte, da fühlte man sich wie bei einem Rodeo. Mühsam war das wenn man gerade beim Essen war. Zum Glück ist der Zug alte, bewährte Stahlkonstruktion, denke dass eine neue Leichtbauart schon längst Schaden genommen hätte.

Am dritten Morgen wurde auch das Zugspersonal ausgewechselt. Beim ersten Teil der Reise bestand das Zugspersonal aus vielen jungen Leuten. Nun kam ein Team an Bord, wo die meisten Mitarbeiter zwischen 30 und 45 Jahren zählen mochte. Doch schon die Küche erreichte nicht mehr die Raffinessen des ersten Kochs, auch die Bedienung war nachlässiger wie beim jungen Team. Schade.

In der Nacht fuhren wir durch Edmonton. Die Rocky Mountains kommen näher. Noch eine kurze Strecke und morgens um 7h ohne Frühstück stiegen wir in Jasper aus dem Zug. Interessanterweise waren alle Passagiere recht froh, die engen Verhältnisse des Zuges zu verlassen, so angenehm die Reise auch war.