Am Morgen regnete es. Wir fuhren vom Campingplatz in Gardiner erst zum Einkaufen und Auftanken, bevor wir erneut in den Park einfuhren. In Folge des staatlichen Shut Down in den USA gab es keine Eingangskontrolle, jedermann konnte ungehindert in den Park einfahren. Wir fuhren an den Mammoth Hot Springs vorbei Richtung Norris – Madison. Unseren ersten Halt zur Besichtigung einiger heisser Quellen machten wir bei den Artists Paintpots. Mit unserem grossen Wohnmobil konnten wir nicht zu den Quellen fahren und mussten eine Strecke zu Fuss gehen.
Nach Madison war viel Betrieb bei den Geyser Basins, so dass wir uns entschlossen, erst direkt zum Old Faithful zu fahren und die anderen Geysiere mit den farbigen Quellen auf der Rückfahrt zu besuchen. Unterwegs gab es noch einen Stau, viele Leute stiegen aus, um einen Bären zu Beobachten. Der Bär war knapp 12 – 15 Meter von der Strasse entfernt und niemand hätte aussteigen dürfen. Die aussteigenden Touristen waren alles Asiaten, gemäss Sugi Chinesen. Es waren auch zwei Kinder dabei, etwa 10 – 12 Jahre alt. Der Bär trollte sich davon, vermutlich war ihm einfach zuviel betrieb. Auch wir fuhren weiter, ohne anzuhalten.
Als wir beim Old Faithful ankamen, gingen die meisten Personen zu ihren Fahrzeugen zurück. Die Show des Geysiers war soeben vorbei. In Folge Shut Down waren auch die Zeiten des mutmasslichen Ausbruches nicht angegeben, da alle Büros geschlossen waren. Nur die privaten Souvenierläden und Restaurants hatten geöffnet. Da wir wussten, dass der nächste Ausbruch in ca. 90 Minuten stattfinden könnte, beschlossen wir zu warten. 30 Minuten vor dem nächsten Ausbruch gingen wir erneut zum Geysier und über 60% der Sitzgelegenheiten um den Geysier waren schon besetzt. Wir fanden noch eine Bank für uns und warteten. Der Geysier liess sich Zeit, auch als alle Sitzgelegenheiten schon besetzt waren. Doch dann liess er los und es war schon schön zu sehen, wie plötzlich 15 – 16 Meter hoch eine Heisswasserfontäne hochschiesst. So plötzlich, wie er anfängt hochzuschiessen, so plötzlich ist das Schauspiel zu Ende.
Nun fuhren wir zum Midway Geyser Basin, wo sich auch die bunte Grand Prismatic Spring befindet. Nun waren weniger Besucher dort, doch immer noch genug. In Folge der Windverhältnisse waren die heissen Quellen immer wieder mit Dampf verhüllt, so dass man die Farben nur kurzfristig sehen konnte. Doch auch so ein gewaltiges Naturereigniss. Nach Besichtigung dieser Quellen fuhren wir nach Madison, wo wir einen Stellplatz gebucht hatten. Hier waren interessanterweise die Beamten anwesend und wir erhielten einen Standplatz im Wald ohne elektrischen Anschluss. Die Toilette war ganz in der Nähe und sechs Wapiti – Hirschkühe liefen keine 10 Meter bei uns vorbei. Wir verbrachten eine ruhige Nacht.
Am Morgen wurden alle relativ früh wach, dass wir zeitig frühstücken konnten und kurz vor 8h den Campingplatz verliessen. Da Jane betreffend der Bergstrecke etwas unsicher war, sass Christoph am Steuer. Der Himmel war etwas bedeckt, höhere Berge waren in den Wolken. Dennoch hatten wir prächtige Tiefblicke beim Hochfahren dieser kurvenreichen Strecke. Ab und zu hielten wir an, um etwas Fotos zu machen. Der Beartoothpass soll ja einer der schöneren Strecken in den USA sein und wir genossen ihn wirklich, auch wenn ein kalter Wind ging und die Sicht dank den Wolken etwas beschränkt war. Im Hochfahren sahen wir auch eine Gruppe der weissen Bergziegen, leider war kein Ausstellplatz gross genug für unser Fahrzeug. So fuhren wir weiter und ich kam um die Chance, in meinem Leben einmal eine wilde Bergziege zu fotografieren.
Zu Mittag machten wir eine Pause in Silvercity, einem kleinen Dorf im Westernstil. Nach der Mittagspause übernahm Jane das Steuer und wir fuhren zum Nordosteingang des Yellowstoneparks. Leider hatten wir kurzes Wetterpech und es regnete ziemlich stark. Auch fanden wir zuerst den Scheibenwischerknopf nicht. Kaum fanden wir den Knopf, hörte es auch auf zu regnen. Wir fuhren nun durch das berühmte Lamare – Valley, wo auch Wölfe und Bären gelegentlich zu sehen sind. Doch wir sahen nur Büffel, jedoch nicht in den grossen Mengen, welche wir erhofft hatten. Gelegentlich sah man mehr Autos wie Wildtiere.
Nach dem Lamare – Valley fanden wir trotz den Baustellen im Park den Weg hoch zum versteinerten Baum. Das letzte Stück mussten wir zu Fuss gehen, da die befestigte Strasse sowie der Parkplatz zu schmal waren für Fahrzeuge wie wir es momentan fahren. Beim Hochgehen sahen wir unterhalb im Tal einen schmalen Fussweg, welcher in gleicher Richtung führte. Erst besichtigten wir den stehenden versteinerten Baumstamm, dann wanderten wir auf dem Pfad talwärts zum Camper zurück. Wir hatten keinen Bärenspray bei uns wie auf einer Tafel empfohlen, doch die Distanz war sehr kurz (ca. 1 km).
Wir fuhren nun zu den Mammoth Hot Springs, wo es grosse Tuffsteinterrassen gibt. Das Wetter wurde auch etwas freundlicher und wir konnten dieses Naturwunder geniessen. Befestigte Stege führen auf verschiedenen Höhen zu verschiedenen Stellen. Interessant waren die verschiedensten Farbvarianten des Tuffsteins, entsprechend der Mineralien im Untergrund.
Nach der Besichtigung fuhren wir aus dem Nationalpark nach Gardiner auf einen RV – Platz, diesmal leider ohne Wildtiere oder Truthhühner.
Am Morgen vor 7h fuhren Christoph und ich zum Flughafen hoch um unsere Mitreisende Jane abzuholen. Wir dachten, dass sie mit einem frühen Flug aus L. A. ankommen werde, stattdessen war sie schon nachts um 2h gelandet. Zusammen fuhren wir dann zu unserer Unterkunft und diskutierten den weiteren Tagesverlauf. Gegen Mittag fuhren wir zum Vermieter des Campers mit einer ersten Fuhre unseres Gepäcks. Wir hatten ja einen Übergabetermin auf 13h abgesprochen, unser Hotel hatte jedoch keinen Stauraum für Gepäck. Vor 13h war die ganze Mannschaft und alles Gepäck beim Vermieter versammelt, doch der Vermieter bat um mehr Zeit. Also fuhren Jane und ich erneut zum Flughafen hoch und übergaben das temporär gemietete Auto an den Vermieter zurück.
Als wir kurz nach 13h beim Vermieter des Campers ankamen, bat er erneut um etwas Geduld. Als er uns den Camper vor 14h präsentierte, war er noch immer eine Baustelle. Im hinteren Schlafbereich lag ein Schrauber und verschiedene lose Schrauben, die Vorhangschiene zum Abtrennen des hinteren Schlafbereichs war verbogen. Da der Vermieter sie nicht auswechseln konnte, installierte er einfach neue Deckenplatten ohne Vorhangschiene. Einer der Aussenspiegel fehlte, er entfernte einfach den Spiegel eines anderen Fahrzeuges und montierte ihn bei uns. Die Frontscheibe wurde kurz geputzt. Er erklärte uns kurz das Fahrzeug und um 14h 45 fuhren wir vom Parkplatz weg. Schon musste er einem anderen Paar das nächste Fahrzeug erklären.
Wir bunkerten noch die Lebensmittel, welche wir dank Jane bei Walmart vorbestellt hatte und verliessen Billings um 15h 15 Richtung Red Lodge am Fusse des Beartooth Highway. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lief nun das Fahrzeug bestens und wir kamen schnell zum gebuchten Campingplatz in Red Lodge, wo wir Platz 40 belegen. Auch das Rückwärtsparkieren zwischen den Bäumen ging problemlos und so genossen wir den Abend am Bach mit Nachtessen im Freien. Eine Gruppe Truthühner besuchte uns und 3 Hirsche wechselten über den Platz. Nun sind wir guten Mutes und werden morgen den Bearthoot Pass Richtung Yellowstone in Angriff nehmen.
Denke, dass bei einigen Lesern meines Blogs irgendwas in Erinnerung gerufen wird. Little Bighorn, kommt einigen von uns doch bekannt vor. Der Besuch dieses Schlachtfeldes war auch einer der Gründe der momentaner Reise. Sugi sah erst die Reise quer durch Kanada mit dem Abstecher nach Alaska, Endstation Vancouver. Wenn wir schon an der Pazifikküste in Nordamerika sind dache sie auch an einen Besuch iher Verwandten in Los Angeles. Ich könne ja etwas eigenes unternehmen. Da dachte ich an einen Besuch des Schlachtfeldes am Little Bighorn und da Yellowstone nicht weit davon entfernt, wünschte ich natürlich auch diesen Nationalpark zu sehen. Als ich Yellowstone erwähnte, wollte Sugi natürlich auch mit und so entstanden unsere Reisepläne.
Heute war es soweit, Sugi, Sohn Christoph und ich fuhren am späteren Morgen von Billings zur Crow Agency, wo das Schlachtfeld am Little Bighorn liegt. Zur Zeit ist es nur über die Wochenenden geöffnet, da zum 150 Jahre Jubiläum nächstes Jahr ein neues Besucherzentrum gebaut wird.
Am 25. Juni 1876 nachmittags um 16h fand die Schlacht am Little Bighorn River statt, ein Gefecht bei welchem die Indianer einen überlegenen Sieg über die 7th. US – Kavallerie, geführt von General Custer, erkämpften und ihn doch nicht nutzten. Schon als Jugendlicher hatte ich von dieser berühmten Schlacht gelesen, liebte ich doch Abenteuergeschichten. In der Schulbibliothek konnten wir uns Bücher von Ernie Hearting ausleihen, in welchen die Lebensgeschichten berühmter Indianerführer wie Rote Wolke und Sitting Bull beschrieben wurden. Damals war mir der Verlauf dieses Gefechtes etwas rätselhaft, ich konnte die Reihenfolge der Ereignisse nicht richtig nachvollziehen. Zudem dachte ich, dass die ganze 7th. US – Kavallerie bis zum letzten Mann damals getötet wurde. Dass dem nicht so war, erfuhr ich erst im reiferen Alter, als ich verschiedene Bücher über die Geschichte der indigenen Völker in Nordamerika sowie neuere Schilderungen der Schlacht am Little Bighorn las. Little Bighorn ist ja ein Fluss und hat nichts mit einem Berg zu tun.
Während meiner verschiedenen Besuche in den USA kam ich erstmals 2015 in ein Gebiet, welches früher dem legendären Wilden Westen zugeteilt war. Rapid City liegt in Nähe der Black Hills, einer heiligen Gegend verschiedener Stämme der Ureinwohner. Auch besuchte ich damals den Custer State Park am Fuss der Black Hills, wo ich meine ersten frei herumstreifenden Bisons sah. Doch der Zusammenhang zwischen dem Namen dieses Parks und der Schlacht am Little Bighorn erschloss sich mir zu der Zeit noch nicht, liegt doch eine grössere Distanz zwischen dem Park und dem Schlachtfeld. Erst musste ich mich nochmals durch verschiedene Bücher arbeiten, bis ich den Ablauf der ganzen Geschichte einigermassen verstehen konnte. Erst jetzt wurde mir klar, dass bei der Schlacht am Little Bighorn ein Teil der 7th. Kavallerie auf einem Hügel, dem Snipper Hill, überlebten. Auch sah ich erstmals Skizzen, wie sich die verschiedenen beteiligten Kampfgruppen bewegt hatten. Mein Interesse, dieses tragische Schlachtfeld doch einmal zu besuchen, erwachte.
Die «Vernichtung» der 7. Kavallerie war für die junge Nation USA, welche in jenem Jahr (1876) ihr 100 – jähriges Jubiläum feierte, ein Schock. Von den total 595 Soldaten, welche die 7. Kavallerie damals umfasste, kamen 264 Mann ums Leben (14 Offiziere, 247 Soldaten, 3 Scouts). Zusätzlich verloren 5 Zivilisten (Zeitungsreporter) ihr Leben. Unter den toten Soldaten waren 131 Deutsche und 7 Schweizer. Gesamt waren 43 % der eingesetzten Kavalleristen europäische Einwanderer. Berühmt ist die Geschichte des italienischen Trompeters Martini, welcher von Custer mit einem Hilfegesuch an Mayor Benteen gesandt wurde. Da Martini mangelhaft Englisch sprach, wurde der Befehl schriftlich auf einen Zettel geschrieben. Martini schaffte den Rückweg zu Custer mit einer Antwort Benteens nicht mehr. Er wurde mit Benteen, Reno und 350 anderen Soldaten auf dem «Snipper Hill» eingekesselt und von den Indianern 36 Stunden lang belagert. Warum die Indianer den «Snipper Hill» nicht stürmten, ist mir ein Rätsel. Immerhin bewarfen sie die eingekesselten Soldaten sogar mit Steinen und waren doch in der Überzahl. Doch auf dem Snipper Hill war ja auch der Tross mit der Reservemunition der 7. Kavallerie eingeschlossen. Verschiedene Indianer besassen jedoch bessere Gewehre wie die Kavalleristen. Einigen Kavalleristen gelang es, nachts durch den Belagerungsring zu schleichen und Wasser aus dem Fluss Little Bighorn zu beschaffen. Damit linderten sie etwas den Durst ihrer Kameraden auf dem trockenen Hügel, es soll ja sehr warmes Wetter gewesen sein. Als die Indianer feststellten, dass noch mehr weisse Soldaten im Anmarsch waren, brachen sie ihr Lager ab und zogen gruppenweise davon.
Die Indianer hatten massiv weniger Verluste, man schätzt die Zahl zwischen 36 und 200 toten Kriegern. Genaue Angaben gibt es nicht. Das Gefecht soll nicht einmal 2 Stunden gedauert haben.
Über die Anzahl der versammelten Indianer können nur Mutmassungen angenommen werden. Man schätzt, dass ca. 6’000 Personen im Lager versammelt waren. Davon waren 950 – 1’200 Krieger, der Rest Frauen, Kinder und alte Leute. In all den Berichten, welche ich über das Gefecht besitze, sind die Zahlen recht unterschiedlich.
Allein die Tatsache, dass die Indianer einen so grossen Sieg über die US – Army errang, ist erstaunlich. Die Weissen waren gewohnt, gedrillt in Formationen zu kämpfen mit klarer Befehls – Hierarchie. Dieses Vorgehen war in der Regel recht erfolgreich auch gegen grössere Ansammlungen gegnerischer indigener Krieger. Bei den Indianern gab es nie eine solch strenge Befehlshierarchie, sie waren Individualisten. Ein jeder suchte möglichst viele Punkte für sein persönliches Ansehen zu sammeln. Jeder versuchte nach Möglichkeit den Feind zu berühren und zu verletzen, das erhöhte sein Ansehen in der indigenen Gesellschaft. Die männlichen Indianer waren ja erstaunlich eitel und putzsüchtig, man lese nur die Reiseschilderungen früherer Reisender (Prinz zu Wied, Catlin) und betrachte die damaligen Gemäldeportraits (Bodmer, Catlin).
Grund zu diesem Feldzug der US – Army war, dass man alle frei herumstreifenden Indianer in Reservate zwingen wollte. Die Stämme in der Prärie waren gewohnt, zur Jagt den Büffeln nachzuziehen, bevor sie in ihre Winterquartiere zogen. Auch die Indianer besassen Dörfer, welche sie regelmässig bewohnten und wo auch etwas Landwirtschaft betrieben wurde, jedoch nicht in dem Ausmass wie bei den weissen Siedlern. Im europäischen Alpenraum wurde vergleichbar mit dem Dorf im Tal (Winter), dem Maiensäss (Frühsommer) und der Alpwirtschaft (Sommer) ein ähnliches System betrieben. Da immer mehr Europäer nach Amerika kamen, beanspruchten sie auch immer mehr Land. Das den Ureinwohnern vertraglich zugesicherte Land wurde zusehends verkleinert, schriftliche Verträge waren in kurzer Zeit nicht mehr gültig. Goldfunde in vertraglich zugesagten Gebieten beschleunigten die «Landenteignungen». Auch das Abschlachten der grossen Büffelherden bezweckte unter anderem, den umherziehenden Indianern ihre Lebensgrundlage zu entziehen und sie in Reservate zu zwingen.
Dass dieses Gefecht so berühmt wurde, verdankt man hauptsächlich zwei Personen. Einmal Custers Witwe Elisabeth, welche ursprünglich mit ihrem verstorbenen Mann ehrgeizige Pläne hegte. Das Ehepaar strebte gemeinsam die Präsidentschaft der USA an, was sich mit dem Tod des Generals zerschlug. General Custer war für sein ungestümes Vorgehen bei Militäraktionen berühmt und nicht überall sehr beliebt. Custer war bekannt, Anordnungen nach eigenem Gusto auszulegen und wurde dafür auch karrieremässig abgestraft. Custers Militärkarriere begann im amerikanischen Bürgerkrieg, wo er durch unkonventionelle Aktionen wie auch nicht armeekonforme Kleidung auffiel. So trug General Custer oft ein leuchtend rotes Halstuch, damit er von seinen Leuten immer in den Gefechten erkannt werden konnte. Die Witwe tat nun alles, das Vorgehen ihres verstorbenen Mannes zu rechtfertigen. Unterstützung fand sie im Schriftsteller F. Wittaker, welcher in einen Groschenroman der Vorkommnisse am Little Bighorn verherrlichte. Auch William «Bill» Cody, der berühmte Buffalo Bill nahm das Ereignis vom Little Bighorn in seine Wild West Show auf und präsentierte ehemalige Beteiligte der Schlacht (unter anderen Häuptling Sitting Bull), auch in Europa.
Den Indianern war die 7th. Kavallerie unter General Custer wohl bekannt, überfiel er doch am 27. Nov. 1868 im Morgengrauen bei Washita (Oklahoma) ein friedliches Lager der Cheyenne, was von der indigenen Bevölkerung nicht vergessen wurde. Auch sein Bruder Tom Custer hatte sich den Hass des Indianerhäuptling Rain in the face anlässlich eines anderen Zwischenfalls zugezogen, welcher geschworen hatte, das Herz seines Feindes zu essen. Bei diesem Feldzug waren einige Mitglieder der Familie Custers dabei, alle kamen bei diesem kurzen Gefecht ums Leben. Für einige Offiziere war der Feldzug eher als Jagdausflug gedacht, man war sehr siegesgewiss. Man verzichtete ausdrücklich auf die Mitnahme von Cattlin (Trommel) – Maschinengewehren, da sie Custer zu schwerfällig waren. Custer hatte auch Anweisung, nicht allein loszuschlagen, im Prinzip hätte er auf die Truppen des Oberst Gibbon warten müssen. Man wollte das Problem der frei herumschweifenden Indianern endgültig lösen.
Wichtig zu wissen ist zudem, dass genau dieselben Indianer nur 8 Tage früher ein Unentschieden bei einer Schlacht (Rosebud, 17. Juni 1876, Sioux unter Crazy Horse gegen General Crook) errungen hatten. Schon damals zogen sich die Indianer überraschend zurück, doch auch die US – Army setzte ihren Vormarsch kurzfristig nicht fort, sie zogen sich ins Fort Fettermann zurück um später erneut auszurücken.
Die Leichen der Getöteten wurden mehrheitlich verstümmelt und geplündert. Das war nicht nur das Werk der beteiligten Krieger, den Rest besorgten die rachesüchtigen Frauen des grossen Lagers. Leider war dieses Vorgehen nicht nur den Indianern vorbehalten, die weissen Kavalleristen verhielten sich bei ihren Siegen leider genauso. Wenn jedoch zwei Personen das Gleiche tun, ist es doch niemals dasselbe.
Das Schlachtfeld wurde sehr rege besucht, man hatte oft Mühe an einzelnen Stellen einen Parkplatz zu finden. Es waren alles weisse Amerikaner, welche sich schweigend von Tafel zu Tafel durcharbeiteten. Doch auf dem „Snipperhill“ stand auch ich ratlos da. Es war kein eigentlicher Hügel, das Gelände relativ flach. Die Offiziere Reno und Benteen wurden ja später wegen mangelnder Bereitschaft, General Custer zu Hilfe zu eilen, verurteilt. Als ich jedoch das Gelände sah, wo sich diese beiden Offiziere mit ihren Truppen verschanzt hatten, wo sogar ein Feldlazaret existierte, da wuchs mein Respekt vor diesen Offizieren. Da gab es beinahe keine Deckung, das war ja nicht einmal ein richtiger Hügel. Die Organisation dieser Verteidigung war für mich militärische Massarbeit, doch ich war ja immer ein einfacher Soldat, der zu Schweigen und zu Gehorchen hatte.
Nach dem Besuch des Schlachtfeldes, welches bei der Besichtigung auch für meine Begleitung plötzlich interessant wurde, fuhren wir Richtung Billings zu den Pictograms Caves, Höhlen mit Felsmalereinen indigener Bevölkerung. Schon die Fahrt abseits der Autobahn durch das ländliche Montana war ein spezielles Erlebnis. Die Gegend besteht aus vielen Sandsteinhügeln, welche richtige Felswände haben können. Die Felswände sind nicht recht hoch, schätze zwischen 100 und 250 Metern in etwa. Doch es gibt auch richtige Bergsturzgebiete mit Trümmerfeldern. Wirklich schön. Bei den Höhlen hatten wir etwas Mühe, die verblassten Bilder zu finden.
Am späteren Nachmittag fuhren wir zum Hotel zurück. Christoph ist noch müde von der Zeitumstellung und der langen Reise, ich bin noch angeschlagen und erkältet von Alaska. Morgen kommt noch nichte Jane aus L.A. und wir übernehmen den Camper (Wohnmobil). Das Abenteuer geht erst richtig los.
Gestern beendeten wir unseren Aufenthalt in Kanada und flogen in die USA. Da ich mit all unserem Gepäck nicht wusste, wie ich uns per Internet einloggen sollten, beschlossen wir möglichst früh zum Flughafen zu fahren. Das Abenteuer Kanada – Alaska wurde so beendet wie es begonnen hatte, recht unspetakulär. Wir konnten unser Gepäck aufgeben und durch die amerikanische Visakontrolle gehen wie beim Schweizer Zoll. Unser Flug führte von Vancouver über Denver nach Billings. Auf dem Flug nach Denver flogen wir über das Grand Teton – Gebirge, deutlich waren auch der Yellowstone Lake sowie der Jackson Lake zu erkennen.
Um 19h 30 stiegen wir in Billings aus dem Flieger. Das Gepäck kam mit etwas Verspätung, aber wir hatten schnell all unser Stücke beieinander und gingen unser Mietauto abzuholen. Kurz vor 21h starteten wir beim Flughafen Billings, um die mit 20 Minuten angegebenen Fahrzeit zum Hotel zu fahren. Stadtplan oder Karte gab es nicht. Navi im Auto funktionierte nicht. Es war schon stockdunkel, aber ich hatte ja zu Hause vorgesort und die Route mit allen Abzweigungen auf ein Blatt Papier geschrieben. Ist doch kein Problem für einen bergewohnten Menschen. Doch erstens kommt es anders, zweitens alls man denkt. Irgenwo bei einem Kreisel bin ich vermutlich zu früh abgebogen. Nun folgte eine nächtliche Stadtbesichtigung bei sparsamer Beleuchtung, vorbei an gesperrten Strassen und Baustellen. Hätte nie gedacht, dass Billings so gross ist. In der Not fuhr ich zu einer Tankstelle und bat um Orientierungshilfe. Der bärenstarke Typ war wohl sehr hilfsbereit, hatte jedoch selbst keine Ahnung wo sich die Strasse mit unserem Hotel befindet, noch dass es sie überhaupt gibt. Er gab mir den Ratschlag, einer bestimmten Strasse ins Zentrum zu folgen. Doch auch diese Strasse entpuppte sich als eine Baustelle, wo die Umfahrungen irgendwo hinführten. Als wir einen beleuchteten McDonalds entdecken, steuerten wir dorthin. Alles junges Personal, doch von unserer Strasse hatte sie noch nie gehört. Da kam eine junge Dame auf die Idee, doch im Google Maps nachzusehen, wo es ein Programm für nicht kartenkundige Autofahrer gibt. Nun übernahm Sugi die Führung, ich folgte ihren Angaben. Doch jetzt kamen die Probleme mit den Distanzen in Fuss und Meilen. So steuerte ich fast im Blindflug durch die Nacht und hatte grosse Mühe, Tante Elises Anweisungen richtig zu interpretieren. Selber auf den Display des Handy zu sehen kam in Folge der Dunkelheit nicht in Frage. Eine Strasse steuerten wir mindesten drei Mal an, bis wir im Dunkeln die richtige Abzweigung fanden. Endlich, nach 23h erreichten wir unsere Unterkunft, wo das Gepäck noch in den 2. Stock gebracht werden musste. Totmüde gingen wir schlafen.
Unser Hotel, das C’mon Inn ist eine etwas verstaubte Version der alten Hotels von Las Vegas im Kleinstformat. Künstlicher Wasserfall, künstlicher Bach mit Kois, künstliche Blumen welche schon länger keinen Staubbesen mehr gesehen hatten, alles im Innenhof unter Dach. Betrieben wird es von jungen Leuten, . Als ich heute um einen Stadtplan ersuchte, wurde ich mit grossen Augen angesehen. Ja, gibt es sowas noch? Haben Sie kein Handy? Auch das Frühstücksbuffet entspricht den üblichen Motelketten, welche ich vor der Jahrtausendwende in den USA öfters besuchte. Sugi war etwas entäuscht, für mich war es ein Willkommen zurück in den USA.
Am Morgen versuchte ich die Fahrt zum Flughafen ohne Navi zu finden und es gelang mir bei Tageslicht. Der Flughafen liegt auf einer Hochebene, die Stadt unterhalb eines Geländeabbruchs, des sogenannten Rims. Entlang der Abbruchkante führt zur Autostrasse ein Wanderweg, welcher auch mit Fahrrädern befahren werden kann. Wir fuhren erst mit dem Auto eine Strecke des Rims entlang, bevor wir ausstiegen und etwas spazierten. War schön. Doch zurück fand ich den Weg zum Hotel nicht mehr und benötigte erneut die Hilfe der Tante Elise. Ja, die letzten 100 Meter hatte ich gar bei Tageslicht Mühe, das Hotel zu finden. Dummerweise öffnete Sugi eines der Seitenfenster am Auto einen Spalt weit, so dass ich Elise nicht mehr klar verstand. Leider liess sich das Fenster nicht mehr schliessen.
Heute abend kommt Sohn Christoph. Wir freuen uns darauf. Christoph wird uns weiter begleiten.
Gestern hatten wir ja unseren Ausflug durch Vancouver verpasst. Es wurde vereinbart, dass wir heute morgen die Tour zur gleichen Zeit durchführen werden. Überraschenderweise wurde uns gestern Nacht ein Zettel unter der Zimmertüre durchgeschoben, auf dem geschrieben stand dass unsere Tour heute früher durchgeführt werde. Wir fuhren pünktlich in die Lobby und warteten. Die anderen Gäste von Cosmos, mit welchen wir die Zugsreise bis hier nach Vancouver durchgeführt hatten, erschienen für ihren Ausflug zum Mount Whistler. Sie wurden pünktlich abgeholt. Von unserer City – Tour keine Spur. Also riefen wir erneut die Organisation an, welche die Tour durchführt. Nun heisst es wieder warten. Wirklich, um 9h 30 wurden wir abgeholt und zu einem Bus gefahren, wo sich alle an dieser Rundfahrt beteiligen traffen. Wir waren ca. 20 Teilnehmer.
Der Reiseleiter und Busfahrer in Personalunion war ein ehemaliger Londoner (Whitechapel), der Gegend, wo Jack der Ripper herstammte. Auch er konnte schwatzen wie ein Tonband. Erst fuhren wir in den Stanley – Park, einem grossen bewaldeten Gebiet in Vancouver. Da gibt es auch eine Sammlung Totempfähle, wo wir zur Besichtigung anhielten. Unser Führer gab uns freie Zeit, jeder konnte nach Belieben die Sehenswürdigkeiten betrachten oder in den Souvenirshop gehen. Zu den Totempfählen gab er keine weiteren Kommentare ab, was ich schade fand. Auf einer Wiese weidete auch eine Schar Kanada – Gänse. Wir fuhren weiter durch das relativ junge Schutzgebiet, wo es dennoch gewaltige Bäume gibt. Ein Sturm hat vor einigen Jahren recht viel Schaden angerichtet. Auch musste man einige kranke Bäume schlagen. An zwei Stellen sind Örtlichkeiten für Hochzeiten eingerichtet worden. Die Rundfahrt durch den Stanleypark dauerte sicher eine Stunde. Der Stanley – Park ist sehr gross, kann man schlecht als Stadtpark bezeichnen.
Anschliessend fuhren wir in ein Hafenquartier, wo wir uns verpflegen konnten. Es war auch der Landesteg einer Fähre. Auch hier gab es Souveniershops zu Hauf. Die Sicht auf einen Teil von Vancouver war schön. Nach der Mittagspause fuhren wir durch das alte Vancouver (Gastown), vorbei an der dampfbetriebenen Uhr, welche wie der Big Ben in London tönen soll. Die Uhr war gerade in Revision und konnte nicht näher besichtigt werden. Der Mechanismus sei deutschen Ursprungs und hat nichts mit Grossbritanien zu tun.
Zum Schluss der Rundtour versprach uns der Reiseführer einen 360 ° – Ausblick auf Vancouver wie von einem Berg. Wir hielten im Hafenviertel an und gingen in ein Hochhaus, welches ich in keinem Reiseführer noch einer Beschreibung gefunden habe. Dort ist ein Lift, für welchen man Eintritt bezahlt. In diesem Glaslift fährt man bis zum Dach dieses Gebäudes und befindet sich plötzlich in einem Rundgang hoch über den Dächern der umliegenden Gebäude. Tatsächlich kann man rundum gehen und praktisch nahtlos das Panorama bewundern. Ganz in der Nähe tief unten ist das Kreuzfahrtsschiffsterminal. Auch den Bahnhof mit den langen Güterzügen ist gut zu sehen. Man staunt über die Fläche dieser Stadt. Typisch für Amerika sind die Gruppierungen der Wolkenkratzer sowie die fast unendlichen Weiten der niedrigen Gebäude. Ich hatte diese „Gebietsverteilung“ schon früher bemerkt, denke da an die Städte Chikago, Houston oder auch New York, wo man mit dem Auto erst kilometerweit durch die oft einstöckigen Vororte fährt, ehe man sich dem hochschiessenden Zentrum nähert. Nach dieser „Bergtour“ wurden wir zu den Hotels gefahren.
Morgen endet ja die von Cosmos organisierte Tour und wir fliegen auf eigene Verantwortung weiter. Zufälligerweise traf ich im Aufzug unseres Hotels eine der Stewardessen aus dem Zug von Toronto nach Jasper. Sie trug noch die Bahnuniform mit ihrem Namensschild „Tanner“. Ein ungewöhnlicher Vorname für eine junge Frau. Ich sprach sie kurz an und erzählte ihr, dass ich sie kenne von der Zugsreise her. Sie freute sich ausserordentlich. Später am Abend gingen wir noch Einkaufen, einer unserer Koffer hat Risse bekommen und wurde ersetzt. So schön Vancouver gelegen ist, das Drogenelend ist nicht zu übersehen. Für mich wäre kein Bleiben hier. Wohl geht alles friedlich zu, offensichtlich übersehen die Stadtbewohner ganz bewusst das Elend dieser gestrandeten Existenzen. Nein, Vancouver ist nicht meine Stadt.
Nachem wir vor zwei Tagen Ketchikan verlassen hatten, fuhr unser Schiff ohne zu halten nach Vancouver zurück. Das Wetter verschlechterte sich wieder und wir fuhren erst durch den Nebel. Am 23. September hatten wir recht unteschiedliches Wetter, der Wind ging in der Nacht recht stark. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, demnächst aus dem Bett zu rollen. Erstaunlich für ein solch grosses Schiff, waren wir doch einmal mit einem grösseren Schiff unterwegs und wir hatten damals unsere Kabine im Deck 14. Trotz recht starkem Seegang spührten wir damals nichts. Nun sind wir auf Deck 6 einquartiert, nicht einmal die Hälfte vom Wasser entfernt im Vergleich der früheren Fahrt. Je weiter wir uns von Alaska entfernten, desto schöner wurde das Wetter. Bevor wir in die Inside – Passage einfuhren, sahen wir noch eine Gruppe Wale auf See. Glaube nicht, dass wir die berühmten Orcas sahen. Auch sah ich keinen Wal aus dem Wasser springen, wie man so auf Prospekten sieht.
Die Einfahrt in die Inside Passage verpassten wir, wir sahen uns den Film „Alaska“ im Fernseher an. Es ist eine typische Disney – Geschichte, wo ein Geschwisterpaar ihren Vater suchen geht, welcher mit einem Kleinflugzeug abgestürzt ist. Bei der Suche befreien sie einen kleinen Polarbären, welcher von Wilderen gefangen und eingesperrt wurde. In der Folge half der kleine Polarbär nun den Kindern bei der Suche. Das Ganze spielt sich im Gebiet des Devils Thumb, des Teufels Daumen ab. Ich erkannte den Berg, da ich über Besteigungen dieses Brocken einige abenteuerliche, dafür wahre Geschichten gelesen hatte. Bei der dramatischen Rettung des Vaters half der junge Bär beim Ziehen des Seils, freiwillig natürlich.
Nördlich ist die Inside Passage wenig besiedelt, man sah nur vereinzelt Häuser im Wald. Je südlicher man kam, um so grösser wurden die Siedlungen. Aber auch das Wetter besserte sich zusehens. Das Schiffshorn erklang nicht mehr, keine Nebelbänke lagen über dem Wasser. Abends mussten wir die Koffer packen und in den Korridor stellen. Wir verbrachten eine unruhige Nacht. Immerhin gab es noch Frühstück an Bord, bevor wir gruppenweise das Schiff verliessen. Erneut wanderten wir in Kanada ein.
Im Terminal bestiegen wir ein Taxi, welches uns ins Hotel Sandmann Suites führte. Kurz nach 9h traffen wir dort ein. In der Lobby traffen wir alle anderen restlichen Teilnehmer unserer Reisegruppe. Das Gepäck wurde erst in einen Raum verfrachtet, da die Zimmer noch nicht bezugsbereit waren. Kaum hatte ich die Aufbewahrungsnummern in der Hand, hiess es schon unser Zimmer sei bezugsbereit. Ich lud alle Gepäckstücke auf einen Gepäckwagen und schob ihn in einen Lift. Da ich nicht wusste, dass man mit dem Zimmerschlüssel den Lift entblocken musste, reiste ich das Hotel auf und ab, da mehrere Personen den Lift auch jetzt benutzen wollten und den Liftknopf drückten. Unser Zimmer ist im 16. Stock, es gibt aber noch einige Stöcke ob uns. Mit Glück und dank eines anderen Liftbenutzers gelang es mir, im 16. Stock anzuhalten. Rasch lud ich meine Gepäckstücke aus und schon schloss sich wieder die Lifttür und rasselte mit dem leeren Wagen in ein anderes Stockwerk.
Um 10 h sollten wir an einer Stadtbesichtigung teilnehmen, doch um 9h 30 wäre der Sammelpunkt in der Lobby gewesen. Leider war ich um 9h 30 noch immer mit dem Lift beschäftigt, so dass wir erst um 9h 45 wieder in der Lobby waren. Natürlich war kein Mensch mehr da. An der Reception wurde ich angewiesen, doch bis 10h zu warten. Nach 10h riefen wir den Tourenorganisator an. Erst riet er uns, zu einem anderen Treffpunkt zu wandern und dort zu warten. Ich lehnte das ab, da uns ja Vancouver noch unbekannt ist. Schlussendlich einigten wir uns, dass wir am nächsten Tag an dieser Tour teilnehmen werden. Zum Glück hatten wir nicht noch einen zusätzlichen Ausflug gebucht. Des Abends traffen wir ein anderes Paar unserer ursprünglichen Reisegruppe. Sie erzählten uns, man hätte 5 Minuten gewartet, da aber keiner unsere Namen richtigen Namen wusste wären sie ohne uns abgefahren. Sie selbst konnten um 17h ihr Zimmer noch nicht beziehen. Das ist Organisation.
Wir sind dann noch etwas auf eigene Faust in der Stadt herumgewandert. Vancouver ist an sich schon eine schöne Stadt. Doch selten habe ich so viele süchtige, verkrüppelte und zum Teil invalide Menschen auf der Strasse herumhängen gesehen. Offensichtlich tut die Stadt nichts für diese Randständigen. Man übersieht sie einfach. An verschiedenen Orten gibt es Geschäfte, wo man Wasserpfeiffen und Drogen ganz normal kaufen kann. Für uns Mitteleuropäer ein ungewohntes Bild.
Auf eine stürmische Nacht folgt ein vorerst grauer Morgen. Kräftiger Wind, graue Wolken. So geht es Richtung Ketchikan, der Welthauptstadt des Lachs. Alle fünf unterschiedlichen Lachse des Pazifik sollen hier auffindbar sein. Nach dem Frühstück fanden wir zufällig den Vortragssaal im „Krähennest“, einen Tag zu spät. Wir genossen noch einige Zeit die wettergeschützte Aussicht von dort, bevor wir um 10h 30 in Ketchikan anlegten. Es waren schon mehrere Kreuzfahrtschiffe dort. Ketchikan besitzt auch einen interessanten Flughafen auf einer Insel vor dem Ort, Stadt ist wohl gar etwas übertrieben.
Wir hatten einen Landausflug mit Besichtigung von Ketchikan und den Totempfählen ausserhalb des Ortes gebucht. Es gab ja verschiedene Tätigkeiten, welche man buchen konnte. Auf dem Schiff wurden auch die Gruppen schön sortiert an Land gesandt. Doch die Fremdenführer an Land brachten es fertig, wieder einen kompletten Salat anzurichten. Es ging zu wie zur Goldgräberzeit, alle irrten umher und wussten nicht wohin. Auch einige Touristentransportfahrzeuge mussten sich bei diesem Durcheinander durch die Menge quetschen. Schlussendlich fanden wir doch den richtigen Bus, welcher uns zu den Totempfählen bringen sollte. Doch an Bord waren erneut zwei verschiedene Gruppen, eine Gruppe bekam noch einen Kleber für den Besuch einer Show. Wir hätten durchaus auch einen Kleber verlangen können, Kontrolle gab es keine. Der Bus war auch nicht mehr der jüngste und hatte sicher schon bessere Zeiten gesehen.
Nach abenteuerlicher Fahrt durch Ketchikan, hügelauf und hügelab, fuhren wir nordwärts zum Toten Bight State Historical Park, wo verschiedene ältere und neuere Totempfähle aufgestellt sind. Auf der Fahrt schwatzte der Fahrer wie ein Tonband, dank seinem Slang und dem Motorengeräusch verstand ich nicht mal die Hälfte, gab mir aber auch keine Mühe es zu verstehen. Beim Park angekommen öffnete er das Kofferfach, wo man sich für den Ausflug einen Regenschirm mitnehmen konnte. Er versicherte uns dass es keine vierstündige Wanderung gebe. Wir waren auch nicht die einzige Gruppe im Park, noch zwei andere Busse in vergleichbaren Alter und Zustand parkierten dort. Das Wetter wechselte wie bei uns im April, kurze Regenschauer, dann wieder trocken. Wie wir später vernahmen, hatten die Spaziergänger in Ketchikan bedeutend mehr Niederschlag, dafür auch mehr Souveniershops.
Was nun folgte, war alle Mühen wert. Erst erzählte er uns etwas über den Tongass – Regenwald sowie den Ureinwohnern, welche in diesem Gebiet siedelten. Anschliessend wanderten wir von Totempfahl zu Totempfahl, wobei ein jeder eine Geschichte oder eine Sage erzählt. Da wurde nicht einfach losgeschnitzt, nein, jedes Gesicht, jede Figur hatte eine bestimmte Bedeutung. Natürlich konnte er nicht jeden Totempfahl genaustens beschreiben, das hätte viel zu lange gedauert. Zudem hatten wir noch ein Clanhaus zu besichtigen, in welchem auch vier Totempfähle standen. Von den neueren Totempfählen gibt es drei verschiedene Künstler, wobei jeder einen etwas anderen Stil hat. So konnte unser Führer erklären, welcher Totembaum von welchem Künster erstellt wurde. In dem feuchten Klima ist ja die Lebensdauer jedes Totembaumes beschränkt, Konservierungsmittel gab es ja früher nicht.
Der Führer, welcher ja gleichzeitig der Fahrer war, drängte uns zur Eile. Die Show wartete. Als der Motor gestartet wurde, dachten alle, nun geht es ans Schieben. Unglaubliche Geräusche waren zu hören. Doch entgegen allen Befürchtungen kamen wir vom Parkplatz los und fuhren in den Ort. Noch hatten wir Zeit, den Ort zu Fuss zu erkunden, doch wir kamen nicht von der Hafenstrasse weg. Frühzeitig gingen wir an Bord, abends 17h 30 fuhren wir weg in einen Abendhimmel, wie ich ihn mir für die ganze Reise gewünscht hatte. Nun geht es Nonstopp Richtung Vancouver, hoffen wir auf der richtigen Inside – Passage.
Heute war für Alaska ein guter Tag – kein Regen. Am Morgen standen wir früh auf, damit wir vor dem Vortrag der Rangerin um 8h mit unserem Frühstück abgeschlossen haben. Noch war der Himmel bedeckt und alles etwas grau. Doch wir verpassten den Vortrag trotzdem, vermutlich standen wir an der falschen Stelle im obersten Deck. Wir fuhren mehrere Stunden in die Glacier Bay, welche 1780 noch vollständig vom Eis bedeckt war. Um 11h des Morgens kamen wir zu dem Teil der Glacier Bay, welche 1892 noch zugefroren war. Das Wetter besserte sich zusehens und es wurde fast sonnig. Die Rangerin erklärte immerzu, wo welche Tiere zu sehen waren, doch ich hatte das Fernglas in der Kabine liegen, so sah ich die weissen Bergziegen nicht. Das Deck war gut besetzt mit Personen, welche Ferngläser bei sich hatten. Auch betreffend Fotoausrüstung sah man einiges, vom Handy bis zu Riesenkanone.
Im Wasser gab es braune Flecken,welche ich erst als Holzstücke betrachtete, bis so ein Holzstück plötzlich verschwand. Da merkte ich, das sind ja Seeotter, eine pazifische Art unseres Fischotters. Die Tiere, nicht sehr gross, waren so schwierig zu fotografieren wie die Walfische. Ich versuchte dennoch mein Glück, mit mässigen Erfolg. Im Wasser schwammen zusehens Eisstücke, erst nicht sehr gross, dann zunehmens grösser. Auf grösseren Eisstücken sah ich Tiere, welche ich erst für Seeotter hielt. Doch es waren Robben.
Das Schiff fuhr weiter bis zum Grand Pacific Glacier, welcher noch das Meer erreichte. All die anderen Gletscher, welche vor wenigen Jahren noch im Meer endeten, hatten sich schon soweit zurückgezogen, dass ein Bach ins Meer mündete. Ich schätze, dass in wenigen Jahren kein Gletscher mehr das Meer erreichen wird. Nicht nur in Europa, auch in Nordamerika schmelzen ja die Gletscher rasant. Die Höhe der Gletscherzunge erlaubte schon kein kalben mehr, der Prospekt war schon überholt. Immerhin hatten wir kurz etwas Sonnenschein, als das Schiff vor dem Gletscher stoppte.
Nach dem obligaten Fotostopp vor dem Gletscher fuhr das Schiff zurück und mit jedem Kilometer verschlechterte sich das Wetter erneut. Doch es blieb trocken, kein Regen fiel. Das Restaurant im Deck 8 wurde nun von den hungrigen Gästen überschwemmt, nach etwas warten kamen auch wir zu unserem Mittagessen. Nun fahren wir südwärts Richtung Ketchikan, wo wir morgen einen Ausflug geplant haben. Wir hoffen auch, dass das Internet wieder besser funktionieren soll, mal geht es, mal wieder nicht.
Heute morgen um 7h sind wir in Skagway gelandet. Skagway, der Ort von welchem die Goldsucher 1897 Richtung Yukon über den berühmten Chilkoot – Pass aufbrachen. Skagway, wo der bekannte amerikanische Schriftsteller Jack London (Ruf der Wildniss, Der Seewolf, König Alkohol etc.) seine Alaska – Abenteuer startete. Die Ortschaft, welche 1897 innert 4 Monaten von 2’000 auf über 20’000 Bewohner anwuchs. Nun, von dem war vorerst nichts zu sehen, stattdessen roch es nach frittierten Pommes. Die Wetterprognosen versprachen erneut einen feuchten Tag.
Wir hatten für heute eine Stadtrundfahrt gebucht. Nach 10 h gingen wir zur Sammelstelle, wobei diese kurzfristig ein Deck tiefer verlegt wurde, da die Rampe für einige Fussgänger zu steil war. Gleichzeitig fanden verschiedene Touren statt, doch wir fanden unsere Tour relativ schnell, standen doch Oldtimerbusse auf dem Parkplatz. In solch einem postgelben Bus fanden wir Platz und die Busschauffeuse fuhr los. Sie war eine echte Quaseltante und erzählte tragische, nicht immer jugendfreie Goldgräbergeschichten in ihrem schnellen, amerikanischen Slang, so dass ich nur die Hälfte und Sugi gar nichts verstand. Skagway muss ein furchtbar teurer Ort sein, sie hätte kürzlich 30 US$ für eine Wassermelone bezahlen sollen, worauf sie darauf verzichtet habe. Wir fuhren im Regen erst durch Skagway zum Friedhof aus der Goldgräberzeit, es sei einer der wenigen noch im Originalzustand. Natürlich schmückten Erzählungen von Schiessereien den Besuch.
Anschliessend fuhren wir zu einem Aussichtspunkt, von wo man die Stadt und den Hafen überblicken konnte. Die Stadt ist noch ganz im Westernstil aufgebaut und erhalten. Es gibt auch Häuser abseits des Stadtkerns in bewaldeten Gebiet. Unübersehbar die Eisenbahnlinien. Grosse Häuser gibt es nicht, auch habe ich kein Mehrfamilienhaus gesehen. Wer sich kein Haus leiten kann, wohnt im Wohnmobil. Auffällig auch die vielen Schmuckläden. Diese Gegend scheint praktisch vom Tourismus zu leben.