Des Abends wurden wir noch von der serbischen Grenzkontrolle geprüft und alle Passagiere wurden mit ihren Pässen verglichen. Dies geschah in Novi Sad, wo einige Passagiere einen Nachtausflug machten. Wir bevorzugten zu schlafen.
Am Morgen gegen 8h erreichten wir die serbische Hauptstadt Belgrad, welche am Zusammenfluss der Save und der Donau liegt. Der Ankerplatz ist in der Save, einem recht schmutzigen Fluss, jeder Dreck wird da runtergespühlt. Um 9h starteten wir unseren Ausflug in die serbische Hauptstadt, wieder wurden wir in drei Gruppen aufgeteilt. Erst fuhren wir auf einen Hügel, von wo man schön der Zusammenfluss beider Flüsse sehen konnte und wo auch eine alte Befestigungsanlage liegt. Belgrad hat ja eine sehr wechselhafte Geschichte, mal herrschten die Römer, dann slavische Stämme, mal die Habsburger, immer wieder wechselnd mit den Türken. Dann kamen die Kommunisten mit Tito und heute dürfen wieder die Serben ihr Glück versuchen. Wenn man der Reiseleiterin zuhörte, scheinen die Serben auch heute nicht so glücklich zu sein und mögen eine etwas kuriose Ansicht über Demokratie zu haben. So mokiert man sich dass sie nicht in die EU aufgenommen werden und auch nicht den Euro übernehmen durften. Dass die politischen Voraussetzungen nicht gegeben sind, scheint nicht zu interessieren, man ist beleidigt und fühlt sich zurückgestossen. Auch der Tennisspieler Diokovic fühlt sich ja dauernd missverstanden, so scheint es der serbischen Nation zu gehen.
Auf dem Hügel in der alten Festung war auch ein Militärmuseum zu sehen, massenhaft alte Geschütze, Raketenwerfer und Panzer jeder Bauart. Gleich daneben ein Dinopark, Saurier in jeder Form und Grösse, bezeichnenderweise vorwiegend Raubsaurier, weniger Pflanzenfresser. Denke dass schon diese Ausstellungen das sozialistische Erbe zeigen, leider wurden mehr Schwerter wie Pflugscharen geschmiedet, auch wenn man sich immer als friedlicher Bruder darstellen will.
In der Stadt sah man noch Häuser mit Schäden der Bombardierung durch die Nato während des jugoslavischen Bürgerkrieges. Ein Gebäude wollte offenbar der Schwiegersohn des amerikanischen Präsidenten Trump, Kushner kaufen, doch der Deal scheint misslungen. Nun wird überlegt, dieses Haus im aktuellen Zustand als Mahnmal stehen zu lassen. Die Stadt ist nicht hässlich, doch fehlt eine gewisse Ausstrahlung.
Wir fuhren noch zur Kathedrale des heiligen Sava, der grössten Kirche Südeuropas und der drittgrössten Kirche der Welt. Zur Zeit wird gerade eine Reliquie in der Kirche ausgestellt, ein Teil des Gürtels von Maria, der Mutter Jesus. Normalerweise befindet sich diese Reliquie in einem Kloster auf dem Berg Athos und ist vorübergehend hier präsentiert. Die Kolonne der Pilgerer, welche in der heissen Sonne anstanden und langsam bergwärts wanderten war kilometerlang. Da gab es alte Leute, junge Leute mit Kleinkindern, Gelähmte und solche mit anderen Gebresten, welche sich langsam ihrem Ziel näherten. Da wir nicht so fromm waren und auch unsere Zeit begrenzt war, fuhren wir mit dem Bus zu einem Nebeneingang der Kirche und betraten sie von dort. Die relativ neue Kirche, Ende Bauzeit 2004, wurde zu einem grossen Teil vom russischen Brudervolk finanziert und strotzt von Goldverkleidungen. Natürlich wurden die Ikonen in der Kirche von den Gläubigen geküsst, selbst zur Coronazeit, wie uns die Tourenführerin versicherte. Niemand habe sich beklagt, Corona durch das Küssen einer Ikone bekommen zu haben. Ja, ein Glaube kann Berge versetzten.
Zum Nachmittagsausflug in ein Künstlerdorf haben wir uns zum Glück nicht angemeldet. Wir leiden schon genug in der kühlen Kabine, die Hitze ist enorm und wir uns nach dem kühlen Mai 2026 noch nicht so gewohnt.