2024 04.11. Adonisweg

Längere Zeit war keine Wanderung möglich, doch nun wollten wir wieder einmal etwas unternehmen. Wir beschlossen zu den Perlhuhn – Schachblumen am Doubs zu fahren, doch vergangene Nacht war es teilweise frostig in der Schweiz. Beim letzten Besuch am Doubs waren die gesuchten Blumen alle mit Frostschäden, kein besonderes Fotoerlebnis. So machte Peter den Vorschlag, an Stelle in den Jura doch ins Wallis zu fahren, wo sicher frostresistentere Frühblüher zu finden sind. Da unser Zug von Zürich nach Bern sowieso weiter nach Lausanne fuhr, beschlossen wir in Bern sitzen zu bleiben und über Lausanne nach Martigny zu fahren. Dort hatten wir verschiedene Möglichkeiten für eine kurze Blumenwanderung. Da wir beide das GA der SBB besitzen, war diese Planänderung absolut kein Problem. Mitte bis Ende April blühen im Wallis die seltenen Frühlings – Adonisröschen und wir beschlossen, wieder einmal den Adonisweg von Charrat nach Saxon zu gehen. Auch hoffte ich an diesem Weg die frühblühenden Holunderorchis zu finden.

Frühlingsadonisröschen

Zur Entstehung dieser Blumen gibt es eine schöne griechische Sage. Adonis war einst ein aussergewöhnlich schöner junger Mann, er war so schön, dass alle weiblichen Götter sich nur noch mit ihm abgeben wollten. Seine beste Freundin war die ebenfalls schöne Aphrodite. Natürlich gefiel das den männlichen Göttern absolut nicht, sie wurden eifersüchtig. Als nun Aphrodite einst mit Adonis jagen ging, verwandelte sich der Gott Ares in ein männliches Wildschwein und verletzte den Adonis tödlich. Aphrodite fand den sterbenden Adonis und weinte sehr. Aus den Blutstropfen des Adonis sollen die Adonisröschen entstanden sein. Als ich nun im Jahr 2011 die ersten Adonisröschen sah, wunderte ich mich ob der gelben Farbe. Die alten Griechen wussten ja sicher schon, dass Blut rot ist. Erst später wurde mir erklärt, dass die gelben Frühlingsadonisröschen aus den Tränen der Aphrodite entstanden. Es gibt auch rote Adonisröschen, welche später im Jahr blühen. Interessanterweise fand ich die ersten roten Adonisröschen auch im Wallis, auf den Tulpenfeldern von Grengiols.

Holunderorchis gelb (oben) und rot (unten)

Auf dem Hügel bei Charrat war noch nicht alles voll in Blüte, doch fanden wir auch den österreichischen Schwarzwurz und einige Berganemonen. Auch waren wir nicht die einzigen Besucher, mehrere ältere Personen hatten das gleiche Programm. Fleissig wurde mit den Handys fotografiert, wir waren die Einzigen mit Kameras. Alle folgten dem nicht immer einfachen, abwechslungsreichen Adonisweg. Es war ein Kommen und Gehen in beiden Richtungen, vorwiegend ältere Personen waren unterwegs. Teilstücke des Weges sind fahrzeugtauglich, doch gibt es auch schmale Verbindungsstücke, welche streckenweise mit Ketten (T3) gesichert sind. In den waldigen Partien an steilen Böschungen fanden wir viele Holunderorchis, vorwiegend gelb blühend, doch es hatte auch einige rotblühende Pflanzen. Natürlich waren die schönsten Orchis im steilsten Gelände, wo schon ein Kreuzen der Fussgänger nicht einfach war, doch immer fand man eine Lösung, auch wenn man einige Schritte hin und zurück zu einem breiteren Wegstück machen musste.

Für uns war es ein wunderschöner Tag, hochzufrieden kamen wir in Saxon an. Nicht einmal das Wegfahren des Zuges Richtung Visp vor unserer Nase mochte die Stimmung trüben, wir fuhren 10 Minuten später zurück nach Martigny. Dort bestiegen wir einen Regioexpress nach Brig, von wo wir den Zug Richtung Romanshorn besteigen konnten. Im Zug waren einige Skitourenfahrer und wir überlegten noch kurz, ob wir nochmals eine Schneeschuhtour machen sollten. Doch nach unserer Blumentour kam keine rechte Lust dazu auf.

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